Dieses Buch war ein glücklicher Zufallstreffer für meine literarische Weltreise. Eigentlich hatte ich nur mal wieder Lust auf einen Kurzgeschichtenband und Cover sowie Klappentext haben mich bei „Leckermäulchen“ sofort angesprochen. Als wir dann im Sommer auch noch nach Kroatien gefahren sind – Volltreffer, die Lektüre passte wie die Faust aufs Auge…
Klappentext
In elf Erzählungen schreibt Asja Bakić über verschiedene mehr oder weniger dystopische Welten. So begegnet uns eine Künstliche Intelligenz, die auf sexuelle Befriedigung von Frauen spezialisiert ist und darüber hinwegtrösten soll, dass es keine Männer mehr gibt. Auf einer Jugendfreizeit wird Menstruation zum Splatter-Element einer Horrorgeschichte. Genderfluidität, Klimawandel, Zeitreisen, Unterwelten, Außerirdische – der Einfallsreichtum der Autorin ist grenzenlos wie ihre Liebe zu sämtlichen Spielarten des Absurden.
Wie bereits in »Mars« setzt Asja Bakić in ihren Erzählungen Frauen in den Mittelpunkt, die um ihr Leben kämpfen, die eigene Bedeutung in der Welt suchen oder schonungslos ihre Begierden ausleben. Aus einer stets feministischen und gesellschaftskritischen Perspektive vermischt Asja Bakić in ihren Texten Genres wie Weird Fiction, Speculative Fiction, Horror oder Erotik und nimmt die Leser*innen in die Vergangenheit, die Zukunft oder in eine Parallelwelt mit.
Meine Meinung
Inhaltlich habe ich dem Klappentext nichts hinzuzufügen, außer vielleicht, dass mich die Geschichten wirklich überrascht haben. Jede Erzählung ist so skurril wie einzigartig und nie weiß man, was als nächstes kommt. Ich bin jedenfalls sehr beeindruckt, wie viele ungewöhnliche Perspektiven die Autorin hier aufzeigt – jede mit einer starken Frauenfigur. Dabei schreckt die Autorin auch nicht vor Erotik zurück und setzt mutig feministische und gesellschaftskritische Akzente (für mich hätte es allerdings etwas weniger Sex sein dürfen).
Natürlich haben mir manche Geschichten besser gefallen als andere, doch insgesamt ergibt sich eine faszinierende Mischung, die Lust macht auf mehr.
Außerdem finden sich immer wieder offensichtliche Wahrheiten, die aber vielleicht zu selten offen ausgesprochen (oder ausgeschrieben) werden:
Ich will uns nicht rechtfertigen, aber es ist eine Tatsache, dass wir nicht über die großen Probleme nachdenken können, wenn uns private Traurigkeiten quälen. Mein größtes Problem war meine Mutter und nicht die globale Erwärmung.
Asja Bakic: Leckermäulchen, S. 148
Trotz oder vielleicht gerade wegen der nur knapp 200 Seiten braucht es allerdings volle Konzentration, außerdem setzt das Buch einiges an politischem Wissen über Jugoslawien sowie Mythologie voraus. Das machte die Lektüre für mich stellenweise etwas anstrengend, minderte aber nicht die Faszination. Historisch passt das Buch also auch gut zu meiner literarischen Weltreise.
Der Sprachstil hat mir ebenfalls gefallen, die Geschichten sind atmosphärisch, dicht erzählt und voller schwarzem Humor. Das ist mit Sicherheit auch ein Verdienst der Übersetzung – so grotesk und abstrus war das vermutlich keine leichte Aufgabe.
Fazit
Auch wenn ich die Lektüre stellenweise anstrengend empfand, hat mich „Leckermäulchen“ mit seiner Geschichtenvielfalt und seinen eigenwilligen Ideen nachhaltig beeindruckt. Die Mischung aus Skurrilität, schwarzem Humor und klugen Beobachtungen macht das Buch zu er ganz besonderen literarischen Reise.
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verbrecherverlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Leckermäulchen
Autorin: Asja Bakić
Übersetzung: Alida Bremer
Verlag & Copyright: Verbrecher Verlag
Seitenzahl: 192
Erscheinungstermin: 17.02.2025
Preis: 22 € (gebunden)