Es gibt so Romane, da wird man von der ersten Zeile an in die Geschichte gezogen. Man weiß nicht genau, woran es liegt – aber plötzlich merkt man, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte. Genau so ging es mir mit „Die Pause ist vorbei“.
Klappentext
Marcello, um die dreißig und frischgebackener Ex-Langzeitstudent ohne richtigen Job, wohnt im Touristenstädtchen Viareggio – natürlich bei seiner Mutter. Er fürchtet, seine Freundin könnte es ernst mit ihm meinen, und ebenso sehr, sie könnte ihn verlassen. Seine größte Sorge aber ist: Er will auf gar keinen Fall die Bar seines Vaters übernehmen. Mehr aus Trotz bewirbt sich Marcello um eine Promotionsstelle an der Uni Pisa – und zur allseitigen Überraschung, auch seiner eigenen, bekommt er sie. Schnell gerät Marcello in die Ränkespiele eines legendären Literaturprofessors, der ihm ein Thema für seine Doktorarbeit aufdrückt: das schriftstellerische Werk des linken Terroristen Tito Sella. Doch warum interessiert sich sein Professor so sehr für den kaum bekannten, im Gefängnis verstorbenen Sella? Und was verrät dessen angeblich verschollene Autobiografie? Hochkomisch und einnehmend erzählt Dario Ferrari von Marcello, der sich erfolgreich dem Erwachsenwerden widersetzt – und dem zusehends die Grenzen verschwimmen: zwischen Literatur und Leben, zwischen dem schreibenden Terroristen und sich selbst.
Meine Meinung
Der Roman ist in die drei Promotionsjahre von Marcello gegliedert. Und dazwischen fügen sich immer wieder Kapitel über Tito Sella ein. Als diese Perspektivwechsel zum ersten Mal auftauchten, war ich zunächst etwas verwirrt. Doch ich habe schnell hineingefunden, und mit der Zeit wurde klar, wie eng die beiden Ebenen zusammenhängen. Dario Ferrari hat sich nämlich einer ganz besonderen Struktur bedient und so wird Sellas Leben zu einem Buch im Buch und wir finden zahlreiche Parallelen zwischen der Geschichte des schreibenden Terroristen und der Situation von Marcello und seinen Kommiliton*innen.
Gleichzeitig entfaltet sich ein Spannungselement in der Frage, wie Sella überhaupt zum Terroristen werden konnte, obwohl es eigentlich nicht zum Wesen seiner Figur passt. Diese Frage zieht sich durch das ganze Buch und wird erst ganz am Ende aufgelöst.
Der Sprachstil lässt sich flüssig lesen und wirkt so bildhaft und echt, dass ich immer wieder vergaß, dass sowohl Marcellos Geschichte als auch die von Tito Sella fiktional sind.
Insbesondere der Universitätsbetrieb wird sehr lebendig eingefangen. Die akademische Welt der Linguisten wirkt gleichermaßen faszinierend wie leicht verstörend. Machtspielchen innerhalb des Fachs und der Fakultät, der Kampf um Fördergelder und die Konkurrenz um die besten Nachwuchskräfte – all das wirkt sehr authentisch und man könnte den Roman durchaus als Campussatire lesen. Gleichzeitig sollte man wohl ein gewisses Interesse an Sprachwissenschaften mitbringen, sonst könnte der Plot stellenweise etwas trocken wirken.
Die Charaktere bleiben eher skizzenhaft, selbst der Protagonist. In diesem Fall hat mich das aber gar nicht gestört, weil es weniger um tief ausgearbeitete Persönlichkeiten geht als um die Dynamiken zwischen ihnen. Besonders gelungen fand ich bspw. die Beziehung zwischen Marcello und seinem Doktorvater – diese Mischung aus Bewunderung für die akademische Koryphäe und der oft eigenwilligen Behandlung durch den Professor.
Marcello selbst verkörpert einen bestimmten Typ Student, den vermutlich viele sofort wiedererkennen, die einmal an einer Universität waren. Das gilt übrigens auch für einige der Professoren. In meinen Augen zeichnet der Roman damit ein sehr treffendes Bild der Promotionszeit in den Sprachwissenschaften.
Neben der gelungenen Universitätsatmosphäre finde ich auch das Setting des Archivs in Paris sehr gelungen: Beim Lesen hatte ich stellenweise wirklich das Gefühl, den Staub eines alten Magazinraums in der Nase zu haben.
Fazit
Zusammenfassend ist „Die Pause ist vorbei“ ein Roman, der die akademische Welt sehr präzise beobachtet und gleichzeitig eine eigenwillige kluge Geschichte über Literatur, Wissenschaft und das Hinauszögern des Erwachsenwerdens erzählt.
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Wagenbach Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Die Pause ist vorbei
Autor: Dario Ferrari
Übersetzung: Christiane Pöhlmann
Verlag & Copyright: Wagenbach
Seitenzahl: 352
Erscheinungstermin: 19. Februar 2026
Preis: 26 € (Hardcover)