Tagebuch eines Buchhändlers von Shaun Bythell

Auch wenn es in diesem Buch um Bücher, eine Buchhandlung und einen Antiquar geht und sogar eine Katze darin vorkommt, habe ich mich natürlich wieder primär vom Cover überzeugen lassen. Und das ist soooo schön! Die impressionistische Zeichnung des Ladens mit schmökernden Kunden, einer tatsächlich arbeitenden Nicky (oder ist es Bethan?) und natürlich mit dem Antiquar Shaun, der mit seinem Kater kurz vor die Tür getreten ist. Man erkennt die Blumenampeln seiner Mutter und die Buchspiralen, die mittlerer Weile aus Beton sein dürften. Der Regen und die Dunkelheit außerhalb des Ladens lassen ihn nur umso wärmer und heimeliger erscheinen. Durch die gewählten Farben schafft es das Cover, eine Stimmung zu vermitteln, bei der man am liebsten gleich ein Feuerchen im Kamin anzünden und es sich mit einem guten Buch und der Katze auf dem Sofa gemütlich machen möchte.

Wie der Titel schon vermuten lässt, ist es im Stil eines Tagebuchs geschrieben. Man begleitet den Buchhändler ein ganzes Jahr lang. Jeder Monat beginnt mit einem Auszug aus George Orwells „Erinnerungen an eine Buchhandlung“ sowie einer kurzen Einführung. Der Sprachstil ist nicht gerade modern, aber sehr flüssig zu lesen. Das gesamte Setting könnte problemlos auch in den vergangenen Jahrhunderten angesiedelt sein, vorausgesetzt, die Verweise auf Computer, ebooks und Internet würden getilgt.

Eine wirkliche Handlung gibt es nicht: ein Antiquar geht seinen üblichen Alltagsgeschäften nach. Dennoch erfährt man unglaublich viel, wobei ich die Anekdoten der Kundenkontakte besonders amüsant fand. Interessant fand ich auch, womit sich Buchhändler*innen tagtäglich so herumschlagen müssen. Oder dass bspw. Bücher über Eisenbahnen so begehrt sind, habe ich weder gewusst noch erscheint es mir einleuchtend; wobei ich einwenden muss, dass auch bei meinen Eltern noch ein diesbezüglicher Bildband schlummert. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass es autobiografisch ist, d.h. Shaun Bythell, Wigtown und, für mich natürlich am wichtigsten, den Kater Captain, gibt es wirklich. Die Lektüre weckt Interesse an diesem Ort; man stelle sich das nur vor: ein ganzes Bücherdorf! Ein Besuch des Herbstfestivals steht ab heute ganz oben auf meiner Reise-Bucket-Liste.

Für mich persönlich etwas ernüchternd war allerdings die Tatsache, dass ich so wenige der genannten Werke und Autor*innen kannte. Dies kann natürlich sowohl als Kritik am Buch als auch an mir als Leserin aufgefasst werden…

Fazit

Es ist eins dieser Bücher, die man nicht wegen des Inhaltes liest, so absurd sich das anhören mag. Vielmehr ist es die Stimmung, in die beim Lesen rüberkommt und die vielen weiterführenden Informationen. Man bekommt Lust, mal wieder (oder zum ersten Mal) in einem Antiquariat stöbern zu gehen und ich bin überzeugt, der Random Buchclub kann sich vor Mitgliedschaftsanfragen bald nicht mehr retten. Die Stadt Wigtown und der Laden werden so charmant beschrieben, dass ich gleich erst mal gegoogelt habe, wo man zum Bücherfestival im Herbst übernachten könnte (und bin auf der ganz tollen Seite „Wigwam“ gelandet). Nicht zuletzt ist das Cover wirklich ein Hingucker und eine Augenweide für jedes Bücherregal.

Tagebuch einer Vorableserin

Beim Lesen kam mir die Idee, als Ergänzung dieser Rezension meine Eindrücke ebenfalls Tagebuchartig zu notieren.

Montag, 5. August

Heute erreichte mich eine Büchersendung, auf die ich schon lange gewartet habe. Vor kurzem habe ich nämlich mein erstes Buch über „Vorablesen.de“ gewonnen.
Titel und Leseprobe klangen äußerst vielversprechend, weswegen ich mich sehr auf die Lektüre freue. Werde also mein derzeitiges Buch schnellstmöglich beenden.

Gelesene Seiten: 0

Freitag, 9. August

Endlich Wochenende und ich komme zum Lesen. Der Sprachstil ist flüssig und so beginne mit den Aufzeichnungen. Die Anekdoten bringen mich oft zum Schmunzeln. Was sich manche Menschen so denken…
Die Stelle, an der Shaun einen Brief von einem Indie Schriftsteller erhält, der bei ihm eine Lesung abhalten möchte, macht mich neugierig. Denn er zitiert dafür aus seinem neuesten Buch. Vielleicht komme ich später dazu, es zu googeln.

Gelesene Seiten: 151

Samstagvormittag, 10. August

Beim Frühstück erzähle ich meinem Mann von meiner derzeitigen Lektüre und dass ich mich frage, wie man mit den gelisteten Tageseinnahmen einen Buchladen unterhalten kann. Wir stellen einige Berechnungen an und kommen zu dem Schluss, dass dies nur möglich wäre, wenn dem Inhaber auch die Immobilie gehört. Doch selbst dann erscheinen uns die Umsätze als zu niedrig, um davon leben zu können. Ich lese weiter und stelle die Vermutung an, dass in den Einnahmen, wenngleich mit „insgesamt“ gelistet, die Erlöse aus AbeBooks- sowie Amazon-Verkäufen nicht enthalten sind.

Gelesene Seiten: 49

Samstagnachmittag, 10. August

Habe gerade die Stelle gelesen, an der Shaun mit einem Gewehr einen Kindle erschoss. Wie ich durch einen kurzen Blick auf die Social Media Accounts des Bookshops weiß, hat es der elektronische Kadaver sogar zum Profilbild geschafft. Bei all der Abneigung des Autors gegenüber dem Kindle frage ich mich, ob sein eigenes Buch gar nicht als ebook erscheinen wird. Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich über die Antwort wundere. Kindle scheint sein teuflisches Gesicht wohl nur Buchhändlern, nicht aber Autoren zu zeigen.

Gelesene Seiten: 68

Sonntagmorgen, 11. August

So langsam kehrt der graue Alltag auch beim Lesen ein. Ich vermute, ich würde nicht das Geringste vermissen, würde das Buch hier auf der Stelle enden. Es passiert ja nicht wirklich etwas. Entweder fährt Shaun zu Leuten, um sich deren Bücherbestände anzusehen und etwas für seinen Laden zu erwerben oder sie kommen direkt ins Geschäft. Kunden kommen und gehen, mit oder ohne etwas zu kaufen. Pakete für den eigenen Buchclub werden zusammengestellt, versandt und Onlinebestellungen über Amazon und Abebooks werden abgearbeitet.
Oder ist das die Botschaft, die uns ergänzt durch die Zitate Orwells zu Beginn jeden Kapitels verdeutlicht werden soll? Ein Antiquar hat ein schrecklich unaufgeregtes Leben? Und wenn ja, ist es als Abschreckung oder Anreiz gemeint?

Gelesene Seiten: 35

Sonntagnachmittag und -abend, immer noch der 11. August

So ein klein wenig sehne ich mir das Ende herbei. Schade. Es passiert wirklich rein gar nichts Neues mehr. Ich halte durch, wie ich auch beim Glitzervampir durchgehalten habe und lese weiter.
Aber wenigstens habe ich ihn diesem Abschnitt sogar gleich zwei Autoren bzw. Bücher erkannt.
An der Stelle, in der Schauspieler*innen Szenen von Filmen nachstellen, die in Buchläden spielen, frage ich mich, warum „Email für Dich“ nicht dabei ist. Ich suche nach der DVD, schiebe sie in den Player und mache eine Lesepause.
Zum Ende hin werden die Aufzeichnungen doch noch einmal interessant. Das Literaturfestival im Herbst hört sich wirklich gut an. Ich beende das Buch und schaue „Notting Hill“ auf Netflix.

Gelesene Seiten: 143

Kostenloses Vorablese-Exemplar

Das Buch wurde mir von Vorablesen.de kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinträchtigt in keiner Weise meine Bewertung.

Infos

Titel: Tagebuch eines Buchhändlers

Originaltitel: The Diary of a Bookseller

Übersetzung: Mechthild Barth

Autor: Shaun Bythell

Verlag: btb-Verlag

Seitenzahl: 448

Preis: 11 € (Taschenbuch)

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