Ohne unseren Lesekreis wäre dieses Sachbuch vermutlich komplett an mir vorbeigegangen – was ich dann verpasst hätte! Schon in der Autobiografie von Agatha Christie fand ich es unglaublich faszinierend zu lesen, wie viel sie während ihrer Arbeit in einer Apotheke über Gifte lernte und wie sie dieses Wissen später in ihren Kriminalromanen einsetzte. „Fatale Flora“ beschäftigt sich mit genau diesen giftigen Pflanzen und den Verbrechen, die mit ihnen begangen wurden – klingt doch spannend oder?
Klappentext
Auf den ersten Blick wirkt der Schlossgarten von Alnwick ganz harmlos: gepflegte Hecken, blühende Beete, saftiges Grün. Doch hinter seinen Toren verbirgt sich der tödlichste Garten der Welt: Poison Garden. Gegründet von Jane Percy, Herzogin von Northumberland.
Hier beginnt Noemis Reise in die Welt der Gifte. Fasziniert folgt sie John Knox, der den Besuchern von Alraune bis Rizinusbaum die Pflanzen und ihre verheerenden Wirkungen erklärt. Und Noemi versteht: Wo Gift wächst, sind auch Mörder.
Eisenhut im Currygericht, Atropin im Gin Tonic, Rizin in einer Tasse Tee. Nicht selten trifft Gift auf kulinarischen Einfallsreichtum. Spannend erzählt Noemi von den schönsten, skurrilsten und legendärsten Giftmorden der Geschichte, ihren Protagonisten und bis heute unterschätzten Mörderinnen.
Über das tödliche Potenzial in unseren Gärten und menschliche Abgründe – das sind mörderisch gute Geschichten!
Meine Meinung
Dass Agatha Christie so häufig Gift als Mordwaffe eingesetzt hat, kommt nicht von ungefähr. Genau diesen Bezug greift die Autorin auf und macht ihn zum perfekten Einstieg für alle Fans der Queen of Crime. Schnell wird jedoch deutlich, dass „Fatale Flora“ weit mehr ist als eine Sammlung giftiger Pflanzen. Im Mittelpunkt stehen zwölf Gewächse – von den bekannten Klassikern wie Tollkirsche, Stechapfel oder Eisenhut bis hin zu vermeintlich harmlosen Alltagsbegleitern wie Tabak. Jedes Kapitel widmet sich einer Pflanze, erklärt ihre Wirkung und verbindet das botanische Wissen mit historischen und fiktiven Kriminalfällen, in denen genau diese Gifte zum Einsatz kamen.
Gerade diese Kombination hat mich begeistert. Pflanzenkunde allein hätte kaum mehr als ein Kapitel gefesselt, reine True-Crime-Geschichten ebenfalls nicht. Doch die Kombination von beidem funktioniert erstaunlich gut. Natürlich sind nicht die Pflanzen bösen, sondern die Menschen, die sie missbrauchen. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und regt auch zum Nachdenken an.
Die Recherche hat mich besonders beeindruckt, man merkt auf jeder Seite, wie groß das Fachwissen der Autorin ist. Trotzdem liest sich das Ganze nie trocken oder Lehrbuchhaft. Im Gegenteil: Der Schreibstil ist angenehm locker, abwechslungsreich und so unterhaltsam, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen wollte. Ganz nebenbei habe ich unglaublich viel gelernt. Dass Pflanzen heilen, ernähren und gleichzeitig – je nach Dosis – töten können, war mir zwar grundsätzlich bewusst. Wie vielfältig und raffiniert sie im Laufe der Geschichte als Mordwaffen eingesetzt wurden, allerdings nicht.
Dabei fand ich den Riesen-Bärenklau am gruseligsten: Die kleinste Berührung zerstört den UV Schutz der Haut, so dass bloßes Sonnenlicht schwere Verbrennungen verursacht. Und, woher kommt uns das bekannt vor? Richtig, Dracula. Und woher kam der? Transsilvanien. Und jetzt ratet mal, wo diese Pflanze heimisch ist…
In jedem Fall hat das Buch meine Neugier geweckt. Auch über die letzte Seite hinaus. Unser Lesekreis hat jetzt sogar die Idee, einmal gemeinsam nach England zu reisen und den berühmten Poison Garden in Alnwick zu besuchen. Ob wir dort alle wohlbehalten wieder herauskommen würden? Zumindest hätte ich gehörigen Respekt – vor allem, wenn irgendwo Riesen-Bärenklau wächst.
Fazit
„Fatale Flora“ ist für mich ein ebenso informatives wie kurzweiliges Sachbuch, das Wissenschaft, Geschichte und True Crime auf außergewöhnliche Weise miteinander verbindet. Besonders Agatha-Christie-Fans dürften ihre Freude daran haben, aber auch alle, die sich für historische Kriminalfälle, Pflanzen oder ungewöhnliche Sachbücher interessieren, kommen hier voll auf ihre Kosten. Mich hat diese Mischung jedenfalls restlos überzeugt – und wer weiß, vielleicht führt mich meine nächste literarische Reise tatsächlich in den giftigsten Garten der Welt.
Hörbuch
Ich kann übrigens auch das Hörbuch – eingelesen von Angelika Osuko – empfehlen. Damit hatte ich angefangen, dann hat mir das Buch aber so gut gefallen, dass ich es auch physisch in meinem Regal stehen haben wollte.
Bibliografie

Titel: Fatale Flora
Autorin: Noemi Harnickell
Verlag & Copyright: Harper Collins
Seitenzahl: 288
Erscheinungstermin: 28.01.2025
Preis: 22 € (Hardcover)