Zwei in einem Bild von Morgan Pager

Kennt ihr das, wenn man schon nach den ersten Seiten eines Buches weiß: Das wird etwas ganz Besonderes? Bei „Zwei in einem Bild“ hatte ich genau dieses Gefühl: obwohl ich bei Geschichten mit magischem Realismus erstmal eher skeptisch bin. Aber beim Kunstsetting konnte ich einfach nicht widerstehen. Und so ließ ich mich in die Geschichte fallen, wie die Protagonistin in Henri Matisses Gemälde…

Klappentext

Jean ist gefangen im Museum, festgehalten auf einem Bild, das sein Vater Henri Matisse einst malte. Bis Claire, eine neue Mitarbeiterin des Museums, vor seinem Bild innehält. Als sie zufällig herausfindet, wie sie das Gemälde betreten kann, öffnet sich ihr eine Welt aus Licht, Farben und unerwarteter Freiheit. Gemeinsam durchstreifen Jean und Claire die Kunstwerke des Museums: Sie tanzen auf rauschenden Festen, fiebern bei Rennbahnen mit und wandern über sturmumtoste Klippen. Bis ihr vermeintlich grenzenloses Glück plötzlich in Gefahr gerät … 

Meine Meinung

Hach, ich LIEBE das Setting: Ein Museum, wunderschöne Gemälde, Kunstgeschichte – das war einfach genau mein Ding. Über Henri Matisse wusste ich vor dem Lesen nicht viel, obwohl ich seine Bilder schon immer sehr mochte. Und ich habe es sehr genossen, mir die beschriebenen Werke, in die Jean Claire mitnimmt, während des Lesens im Internet anzusehen, um noch ein besseres Gefühl für die Geschichte zu bekommen. Der Schreibstil der Autorin ist zwar schon sehr bildhaft und ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst durch die Ausstellungsräume zu gehen, doch so hatte ich die Malereien und Skulpturen nicht nur vor meinem inneren Auge, sondern konnte sie wirklich betrachten und mir vorstellen, wie sich Jean und Claire darin vergnügten. Und so erweckt dieses Buch nicht nur Henri Matisse Familie zum Leben, sondern auch alle anderen Kunstwerke.  

Hinzu kommt, dass Morgan Pager die Atmosphäre eines Museums wunderbar einfängt: diese Ruhe, die Geschichte, die in den Räumen steckt, und das Gefühl, dass jedes Bild seine eigene Erzählung besitzt. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, selbst durch die Ausstellungsräume zu gehen und die beschriebenen Gemälde anzusehen. Die Autorin hat Matisse und die anderen Kunstwerke auf ihre ganz eigene Art lebendig werden lassen.

Nach der Lektüre hatte ich jedenfalls sofort Lust darauf, in ein Museum zu gehen oder eine Matisse-Ausstellung zu besuchen. Und genau das liebe ich an Büchern: Wenn sie nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern etwas in einem auslösen, das über die letzte Seite hinaus bleibt.

Der Plot selbst hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Und auch der magische Realismus passt hier perfekt. Hat sich die Autorin von den Gemälden in Hogwarts inspirieren lassen, deren Figuren ja auch durch die Bilder bewegen können?

Die Idee, dass Figuren in Gemälden ein eigenes Leben führen, hat mich unglaublich fasziniert. Gleichzeitig ist sie auch ein bisschen unheimlich, wenn man länger darüber nachdenkt. Denn wenn es wirklich so wäre, dass die Menschen in Bildern lebendig sind – bedeutet das dann nicht auch, dass ein Maler sie für immer in dieser Welt einschließt? Und wie fühlt es sich wohl an, Tag für Tag von fremden Menschen betrachtet zu werden? Dass Morgan Pager diese Fragen nicht eindeutig beantwortet, hat mir sehr gut gefallen, weil es viel Spielraum für eigene Gedanken lässt.

Die Charaktere habe ich auch sehr gemocht, allen voran natürlich Claire und Jean. Die Figuren sind vielleicht nicht bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, aber in meinen Augen war das auch gar nicht nötig. Besonders berührt hat mich Claires Geschichte und ihr innerer Konflikt. Denn auch wenn sie in der Welt der Gemälde ihrem Alltag entfliehen kann und sich verliebt, ist es doch auch gerade der Alltag, der sie immer wieder in die reale Welt zurückholt. Sie weiß genau, dass sie nicht für immer bei Jean bleiben kann. Ich hatte deshalb tatsächlich etwas Angst davor, wie die Autorin dieses Dilemma lösen würde – aber das Ende hat für mich sehr gut gepasst.

Insgesamt ist die Liebesgeschichte zwischen Claire und Jean für mich eine dieser traurig schönen Geschichten, die gerade deshalb so berühren, weil sie nicht einfach nur von einem glücklichen Ende lebt. Zwischen den beiden entsteht etwas sehr Zartes und Besonderes, aber gleichzeitig schwingt immer die Frage mit, ob ihre Verbindung überhaupt eine Zukunft haben kann. Genau diese Mischung aus Hoffnung und Melancholie hat die Geschichte für mich so emotional gemacht.

Sehr schön fand ich auch, dass die Geschichte sowohl aus Claires als auch aus Jeans Perspektive erzählt wird. Dadurch erleben wir ihre Liebesgeschichte als auch sämtliche Ereignisse aus der Sicht beider Welten, insbesondere die Zeit der Corona-Pandemie. Diese wird nämlich nicht nur ganz natürlich in die Geschichte mit eingebaut, sondern ist ein echter Bestandteil der Handlung.  

Gleichzeitig offenbart der Roman die Unterschiede zwischen dem Anfang des 20. Jahrhunderts und unserer heutigen Zeit. Jean kommt aus einer völlig anderen Epoche mit anderen Vorstellungen, Lebensweisen und gesellschaftlichen Normen. Gerade diese Begegnungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen die Geschichte noch einmal besonders, weil sie nicht nur von Kunst und Magie erzählt, sondern auch davon, wie sehr sich Menschen und ihre Welt im Laufe der Zeit verändern.

Zum Schluss gibt es dann noch ein Spannungselement, was dem Roman eine weitere Ebene verleiht. Insbesondere weil es den magischen Realismus konsistent erklärt.

Fazit

„Zwei in einem Bild“ ist ein ungewöhnlicher, leiser und wunderschöner Roman über Kunst, Liebe und die Geschichten, die in Bildern verborgen liegen. Eine berührende Idee, ein intelligenter Plot und eine ganz besondere Atmosphäre machen dieses Buch zu einem Leseerlebnis, das ich so noch nicht hatte. Für alle Kunstliebhaber*innen ist es für mich ein absolutes Must Read – aber auch wer einfach Lust auf eine besondere Geschichte mit einem Hauch Magie hat, sollte sich dieses Buch einmal genauer ansehen.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hoffmann & Campe Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Bibliografie

Titel: Zwei in einem Bild

Autorin: Morgan Pager

Verlag & Copyright: Hoffmann & Campe

Seitenzahl: 352

Erscheinungstermin: 04.03.2026

Preis: 26 € (Hardcover)

Beitrag erstellt 486

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ähnliche Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben