Ich habe dieses Buch für unseren eat.READ.sleep Lesekreis gelesen, weil wir etwas zum Thema Winter lesen wollten. Und was soll ich sagen, es hat voll ins Schwarze getroffen und mich auf 179 Seiten so oft ertappt…
Klappentext
Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an.
Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.
Meine Meinung
In der Protagonistin Hannah habe ich mich sofort wiedergefunden – und ich glaube, damit geht es vielen berufstätigen Frauen ähnlich. Sie ist erfolgreich, organisiert, ein wenig perfektionistisch, aber gleichzeitig reflektiert und offen für innere Veränderungen. Ihre Gedanken fühlten sich erstaunlich vertraut an, fast so, als hätte jemand meine eigenen leise formuliert.
Sophie ist dabei weit mehr als nur eine Begegnung für Hannah. Durch sie wird nicht nur die Protagonistin, sondern auch wir als Leser*innen eingeladen, die Welt wieder mit einem unverstellten, kindlichen Blick zu betrachten. Diese Dynamik funktioniert wunderbar leise und unaufdringlich.
„Drei Tage im Schnee“ erzählt nichts wirklich Neues, aber es erinnert mich an altbekannte Lebensweisheiten, die wir im Alltag nur verlernt haben wahrzunehmen: Die Freude des Moments, das Spielerische, das Intuitive. Und weil die Autorin es schafft, diese nie wie abgenutzte Kalendersprüche wirken zu lassen, bleibe ich offen dafür, mein inneres Kind wieder ernst zu nehmen und ihm auch Raum zu geben.
Den bildhaften Sprachstil mochte ich besonders – er zieht mich von der ersten Seite in das winterliche Setting hinein. Am liebsten wäre ich selbst sofort in eine eingeschneite Hütte gefahren, um mich mit einer Decke vor den Kamin zu setzen und einfach nur zu lesen.
Deshalb stört es auch nicht, dass inhaltlich überhaupt kaum etwas passiert. Das Buch lebt von seiner Atmosphäre, vom Innehalten und vom bewussten Entschleunigen. Es ist also eher eine ruhige, stille Lektüre – fast so leise, wie Schnee fällt.
Hörbuch
Ich habe die Geschichte zuerst als Hörbuch erlebt – und kann das absolut empfehlen. Gerade an kalten Tagen entfaltet sie dabei eine ganz eigene Magie (besonders, wenn man vielleicht gerade durch den Schnee zur Arbeit stapft oder Schnee schippt). Trotzdem wollte ich anschließend das Buch unbedingt auch noch lesen, um all die schönen Zitate markieren zu können.
Beides funktioniert also hervorragend – hören wie lesen.
Fazit
„Drei Tage im Schnee“ hat mich sehr berührt. Es ist ein echtes Wohlfühlbuch; eines dieser Wolldecken-Bücher, die man am liebsten im Winter liest – idealerweise an einem verschneiten Sonntagnachmittag, nach dem man eigentlich noch Schneeengel machen sollte.
Für mich ist es sogar noch stärker als „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky, das ich ja sehr geliebt habe. Vor allem gefällt mir, dass es aus weiblicher Perspektive erzählt wird. Eine große Lese- und Hörempfehlung und ein wunderbarer Geschenktipp zu Weihnachten.
Bei uns hat es in den letzten Tagen – für niedersächsische Verhältnisse – unglaublich viel geschneit. Und ich frage mich ernsthaft: Warum habe ich eigentlich nur den Gehweg geschippt und kein Schneinhorn gebaut?
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom KiWi Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Drei Tage im Schnee
Autorin: Ina Bhatter
Verlag & Copyright: KiWi
Seitenzahl: 176
Erscheinungstermin: 09.10.2025
Preis: 20 € (Hardcover)