Die kleine Bücherei in der Church Lane von Rachael Lucas

Hach, ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal so einen schönen Wohlfühlroman gelesen habe. Die ganze Adventszeit habe ich darauf gewartet und jetzt ist mir endlich ein solches Buch in die Hände gefallen.

Klappentext

Lucy, gestresste Lehrerin, braucht Ruhe. Kurz entschlossen mietet sie ein Cottage in den Cotswolds. Dass sie sich um Bunty, die 96-jährige Schwiegermutter der Vermieterin, kümmern soll, scheint kein Problem. Die Bewohner des pittoresken Dörfchens Little Maudley nehmen sie mit offenen Armen auf, und unversehens findet sie sich mitten in einer Kampagne zum Umbau der alten Telefonzelle in eine Leihbücherei. Und so ganz nebenbei verliebt sie sich in ihren charmanten Nachbarn.

Schreibstil

Das Buch lässt sich in einem Zug inhalieren. Sobald man in die Geschichte eintaucht, ist alles um einen herum vergessen.

Dabei passiert nicht wirklich etwas. Der Roman ist langsam und sehr ruhig (fast schon meditativ); ein Spannungsbogen nicht vorhanden (und das meine ich gar nicht negativ).

Selbst die Liebesgeschichte spielt sich eher so nebenher ab.

„Die kleine Bücherei in der Church Lane“ ist eins dieser Bücher, die man gern liest, weil sie einfach gut unterhalten und bei denen man die Charaktere vermisst, sobald die Geschichte endet. Aber wenn man beginnt, es zu rezensieren und die Scheinwerfer genauerer auf Plot, Setting und Charaktere zu richten, fallen leider auch einige Schwächen auf.

Meine Meinung zur Handlung

Da zu Beginn der Geschichte immer und immer wieder auf Bletchley Park verwiesen wird, war ich etwas enttäuscht, als Buntys Geheimnis aus Kriegszeiten gelüftet wurde. Ich hätte einfach gern mehr über die Frauen von Bletchley Park erfahren, von ihren besonderen Fähigkeiten und Einsätzen.

Auch spielt die alte Telefonzelle keine so große Rolle, wie ich gedacht habe. Zwar geht es tatsächlich um den Umbau in einen Bücherschrank, Lucy hat damit aber außer mit der Auswahl der Bücher nichts zu tun.

Last but not least hätte die Sache mit den Baumhäusern in meinen Augen detaillierter ausgearbeitet werden können. Die Beschreibungen bleiben oberflächlich und die Autorin schafft es nicht, Bilder davon in meinem Kopf entstehen zu lassen, dabei LIEBE ich Baumhäuser…

Hätte das Buch also nicht die Erwartung geschürt, so viel mehr zu sein, als eine schnuckelige Liebesgeschichte, wäre es noch besser bei mir angekommen.

Charaktere

Die Figuren bleiben insgesamt leider sehr oberflächlich.

Die Protagonistin Lucy ist sympathisch, die Thematik des Burnouts bei Lehrer*innen wird jedoch nicht weiter vertieft, obwohl sie sich angeboten hätte.

Auch dem männlichen Hauptdarsteller Sam sowie seiner Tochter nimmt man ihre Rollen ab, aber die angedeutete Problematik, dass Freyas leibliche Mutter ihre Familie schon vor Jahren verließ, bleibt ebenfalls unberührt.

Die Rolle der besten Freundin ist mit der Hundezüchterin Mel besetzt, ebenfalls allein erziehend und das ist auch schon alles, was man von ihr erfährt.

Über Bunty, die 96jährige rüstige Nachbarin erfährt man wieder etwas mehr, wenngleich mir die 180 Grad-Drehung im Verhalten Lucy gegenüber (von kratzbürstig zu liebenswert) etwas vom Himmel fiel.

Fazit

Das bestechendste an diesem Buch ist die Atmosphäre, bei der man sich einfach nur in eine Decke aufs Sofa kuscheln möchte – lesend, sowohl Sonnenaufgang als auch -untergang verpassend. In dem Punkt hat es mich sehr an die Romantic-Escape Reihe von Julie Caplin erinnert.

Bei genauerer Betrachtung offenbaren sich jedoch einige Schwächen. Die Grundidee ist dennoch gut und hätte Potenzial für einen weit größeren Roman geboten.

Wenn ihr aber einfach auf der Suche nach ein paar gemütlichen Lesestunden seid, um euch mal wieder so richtig zu entspannen, ist dieses Buch absolut perfekt.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von Vorablesen.de zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Infos

Titel: Die kleine Bücherei in der Church Lane

Autorin: Rachael Lucas

Übersetzung: Sabine Schulte

Verlag und Copyright: Insel

Seitenzahl: 373

Erscheinungsdatum: 08.03.2021

Preis: 10,95 € (Taschenbuch)

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