Können Sie mich sehen von Martin Suter

Mein erster Suter und meine Erwartungen waren hoch, denn die Geschichte aus der Leseprobe war intelligent und humorvoll geschrieben. Doch konnten mich auch die restlichen Kapitel überzeugen?

Klappentext

Ihre Methoden sind agil, sie handeln proaktiv, präsentieren nachhaltige und skalierbare Lösungen – Topmanager leben in anderen Sphären. Da, wo die Luft dünn ist und ein einziger Fauxpas den Fall ins Bodenlose bedeuten kann. Doch nun halten Frauen Einzug ins Habitat der Krawattenträger, und das bei den Angestellten so beliebte Homeoffice lässt die Führungsriege mit abgesägten Hosen dastehen. Die Herausforderungen werden diverser. Wem kann man noch trauen? Den Topkadern entgleitet die Kontrolle.

Meine Meinung

Martin Suter bietet seinen Leser*innen in diesem Buch eine Kolumnenartige Sammlung von Kurzgeschichten rund um die männliche Chefetage. Durch die Corona-Pandemie verlagert sich der Alltag auch für die „Möchtegern“-Manager ins Homeoffice – ein Setting, das für die recht stereotypen Figuren viel Potenzial bereithält, auf der Karriereleiter ins Straucheln zu geraten.

Die gut beobachteten und humorvoll überzeichneten Szenen haben mich dabei durchaus zum Schmunzeln gebracht. In ihrer Zuspitzung erinnern sie stellenweise an Loriot oder „Verstehen Sie Spaß“ – besonders dann, wenn die Figuren an Technik, Selbstbild und Kontrollverlust scheitern.

Doch leider hat Martin Suter das eigentliche Potenzial des Buches in meinen Augen nicht genutzt. Die kluge und unterhaltsam gesellschaftskritische Gegenüberstellung von männlicher und weiblicher Arbeitsrealität findet nur in einer einzigen Geschichte statt – ausgerechnet derjenigen aus der Leseprobe, die meine Erwartung an das Buch geprägt hat.

In den übrigen Episoden überzeugen vor allem jene Szenen, in denen die Ehefrauen die Absurdität der männlichen Businesslogik entlarven. Hier blitzt eine satirische Schärfe auf, die ich mir deutlich häufiger gewünscht hätte.

Auch folgen viele Geschichten sehr ähnlichen Mustern, wodurch sich schnell ein Wiederholungseffekt einstellt, der die anfängliche Komik abschwächt. Die Figuren bleiben für meinen Geschmack etwas zu skizzenhaft. Sie funktionieren als Träger der Pointe, als Typen mit bestimmten Marotten und Eigenschaften – aber selten darüber hinaus.

Aber der Schreibstil ist unterhaltsam und sehr flüssig zu lesen. Durch die kurzen, in sich abgeschlossenen Kapitel eignet sich das Buch gut als Nachttisch- oder Wartezimmerlektüre.

Fazit

Eine leicht lesbare, stellenweise amüsante Sammlung mit einzelnen gelungenen Szenen, die ihr eigentliches Potenzial jedoch nur selten ausschöpft. Wer kurze, pointierte Einblicke in den Businessalltag sucht, wird hier fündig – wer sich mehr inhaltliche Schärfe und Abwechslung erhofft, eher nicht. Vielleicht habe ich auch das falsche Geschlecht, um dieses Buch wirklich witzig zu finden.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Bibliografie

Titel: Können Sie mich sehen

Autor: Martin Suter

Verlag & Copyright: Diogenes

Seitenzahl: 208

Erscheinungstermin: 25.02.2026

Preis: 26 € (Hardcover)

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