Die Auferstehung von Andreas Eschbach

Ihr wisst, ich bin ein eingefleischter Die drei ??? Fan. Zum einen, weil ich mit den Charakteren groß geworden bin und zum anderen, weil sie so spannende Fälle zu lösen hatten. Schon bei der Graphic Novel „Rocky Beach“ fand ich die Idee spannend, literarisch herauszufinden, was aus den drei Detektiven wohl mal werden wird, wenn sie erwachsen sind. Dieses Experiment hat jetzt auch Andreas Eschbach gewagt, den ich für seine spannenden Romane schätze. Eigentlich ist da doch der Erfolg vorprogrammiert, oder? Die Figuren sind ja schon ausgearbeitet und brauchen „nur“ 30 Älter gemacht zu werden. Und sich einen spannenden Fall auszudenken wird für den Bestsellerautor doch auch kein Problem sein…

Klappentext

Können Tote wieder auferstehen? Eine junge Frau ist vor vielen Jahren nicht mehr aus dem brasilianischen Regenwald zurückgekehrt. Nun taucht sie plötzlich wieder auf. Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews kommen – inzwischen erwachsen geworden – auf verschiedenen Wegen mit ihrer Rückkehr in Verbindung und in gewohnt detektivischer Manier ziehen sie ihre Schlüsse. Irgendwann kreuzen sich ihre Wege und die drei Freunde von einst müssen sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.

Meine Meinung

Zunächst das Positive: Andreas Eschbach schreibt sehr bildhaft, flüssig und fesselnd.

Und vermutlich ist es ein gutes Buch, wenn man Die drei ??? von früher kennt, aber irgendwann damit aufgehört hat, die Hörspiele zu hören bzw. die Bücher zu lesen. Denn dann überliest man die ganzen Unstimmigkeiten, mit denen ich als echter und langjähriger Fan zu kämpfen hatte.

Die größte Schwierigkeit bestand vermutlich darin, dass es auch heute noch „aktuelle“ Fälle für die drei Detektive gibt. D.h. während Justus, Peter und Bob bereits seit Jahrzehnten im Teenager-Alter festhängen, sind sie technologisch und gesellschaftlich sehr wohl im 21. Jahrhundert angekommen.

Andreas Eschbach hat die drei Jungen seit ihrem ersten Fall aber sehr wohl altern lassen, d.h. er hat irgendwann einen Cut gesetzt, das Ereignis eintreten lassen, welches die drei auseinandergerissen hat (dazu kommen wir auch noch…) und sie in der heutigen Zeit durch die Handlung dieses Romans wieder zusammengeführt. Allerdings hätten die drei ??? dann während ihrer Detektivkarriere keine 250 Fälle lösen können. Auf der anderen Seite beziehen sich die Easter Eggs nicht nur auf die „Klassiker“. Ihr seht also: in eine noch laufende Serie mit nichtalternden Protagonisten plötzlich ein Gap von 30 Jahren unterzubringen ist kompliziert (wie hat das die Graphic Novel „Rocky Beach“ eigentlich hinbekommen? Da ist mir das nicht als unstimmig aufgefallen…).

Ungeachtet dieser Problematik glaube ich leider auch nicht, dass Andreas Eschbach ein eingefleischter Die drei ??? – Fan ist, denn dann hätte er den Fall und die Entwicklung der Detektive anders angelegt:

1. Bei den drei ??? gibt es keine Mörder und auch keine tragischen Todesfälle im direkten Umfeld der Jungen (von Justus Eltern mal abgesehen). Dass Titus altersbedingt schon gestorben ist: kein Problem, aber das Ereignis, welches die drei Freunde auseinander gebracht hat, wirkt total konstruiert, unglaubwürdig und DC mäßig. Die drei ??? sind jugendlicher Cosy Crime – dass sich der Autor darüber hinweg gesetzt hat, erzeugte beim Lesen immer wieder Fehltöne.

    2. Dass Justus 3 Studiengänge abbricht und als Nachhaltigkeitsfetischist den Schrottplatz übernimmt; naja. Aber Peter als IT Genie bei Google? Der sich seit seiner Jugend für Geografie interessierte? Und Bob als konservativer Ehemann und Vater im Verlagsgeschäft? Obwohl er seit 250 Büchern bzw. Hörspielen einen konkreten Berufswunsch verfolgt hat? Und dann werden diese Entwicklungen noch nicht einmal mit einem Satz erläutert… Da die Berufe der drei erwachsenen Fragezeichen für die Handlung keine größere Rolle spielen, hätte man sie auch authentischer, bspw. in Anlehnung an „Die drei ??? – Schattenwelt“, anlegen können: Justus bei der Polizei als Kriminalpsychologe, Peter hat mit Kelly eine Familie gegründet und arbeitet als Sportlehrer oder Trainer am College und Womenizer Bob tritt wie geplant als Journalist in die Fußstapfen seines Vaters. 

    3. Auch dafür, wie die drei sich überworfen haben, finden sich in den alten Bänden bzw. Folgen logischere Ideen: Bspw. hätte es Justus mit seiner Arroganz und Geheimniskrämerei völlig übertreiben können (das hat er ja in „Die drei ??? und die Straße des Grauens schon einmal getan). Und dadurch hätte jemand zu Schaden kommen können, z.B.: die Madigans (Kellys Eltern) verlieren ihr gesamtes Vermögen. Aber das hier gewählte Szenario ist einfach nur stereotyp und unpassend! Gleiches gilt übrigens für die Wiedervereinigung des Trios. Und noch einmal: Bei den drei Detektiven wird niemand „zum Schweigen gebracht“, in dem er ermordet wird!

    Ein weiterer Punkt, der mir nicht gefallen hat, der aber durchaus schonmal bei den drei Fragezeichen vorkam, ist, dass sie alle für sich allein ermitteln. In Eschbachs Roman können sie ja auch gar keinen Fall gemeinsam annehmen, weil ihr Detektivbüro nicht mehr existiert. D.h. Justus und Peter geraten zufällig an den gleichen „Fall“. Auch wenn ich bei anderen Romanen gute Perspektivwechsel zu schätzen weiß, hat mir schon in „Die drei ??? – Im Bann des Drachen“ nicht gefallen, dass Peter von Justus und Bob getrennt wird. Und in „Die Auferstehung“ dauert es ewig, bis der Kontakt zwischen allen dreien überhaupt wieder zustande kommt. Gemeinsam ermitteln sie – wenn überhaupt – erst ganz zum Schluss.

    All das trug dazu bei, dass für mich die Atmosphäre der drei Detektive nur ansatzweise rüberkam, vor allem aber hätte ich mir mehr Easter Eggs gewünscht.

    Jetzt aber zumindest noch ein positiver Punkt zum Schluss: Dass es auf dem Schrottplatz wieder zwei Gehilfen gibt, gefiel mir ebenso gut wie dass sich Justus sich chauffieren lässt.

    Fazit

    Für mich als langjährigen Fan der drei Detektive ist das Experiment von Andreas Eschbach, die Helden meiner Kindheit ins Erwachsenenalter zu entführen, leider fehlgeschlagen.

    Für Nichtkenner*innen und reine Autorenfans ist es vermutlich ebenfalls nichts. Denn auch wenn der Autor tolle Spannungsromane zu schreiben weiß, geht es hier doch eher um Nostalgie. Der Fall selbst ist ein ziemlich dünnes Brett – sehr offensichtlich und vorhersehbar.

    Für Fans aus der Kindheit mag es ein gutes Buch sein.

    Bibliografie

    Titel: Die Auferstehung

    Autor: Andreas Eschbach

    Verlag & Copyright: Kosmos

    Seitenzahl: 448

    Erscheinungstermin: 21.07.2025

    Preis: 24 € (Hardcover)

    Beitrag erstellt 460

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Ähnliche Beiträge

    Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

    Zurück nach oben