Das Lied der Krähen sowie Das Gold der Krähen von Leigh Bardugo

Nachdem die „Grisha“ Trilogie mich und meinen Buddyread @ninespo so geflasht hat, mussten wir natürlich mit den restlichen Büchern des „Grishaverse“ weitermachen.

Es wird oft empfohlen, die Krähen nicht vor Grisha zu lesen, weil man sich dann selbst spoilern würde. Evtl. macht man sich wirklich den Showdown kaputt, aber viel wesentlicher finde ich, dass einem dann der Einstieg in den Weltenaufbau viel schwerer fallen würde.

Daher gehe ich in dieser Rezension auch nicht mehr darauf ein. Beginnt einfach mit dem Anfang.

Das Lied der Krähen (Band I)

Klappentext

Sechs unberechenbare Außenseiter – eine unmögliche Mission.
Ein Dieb mit der Begabung, aus jeder Falle zu entkommen.
Eine Spionin, die nur „das Phantom“ genannt wird.
Ein Verurteilter mit einem unstillbaren nach Rache. Eine Magiererin, die ihre Kräfte nutzt, um in den Slums zu überleben.
Ein Scharfschütze, der keiner Wette widerstehen kann.
Ein Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff.

Höchst unterschiedliche Motive treiben die sechs Außenseiter an, die einen gefährlichen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis der Welt befreien sollen. Kaz Brekker, Meisterdieb und Mastermind, ist nicht der Einzige, der Geheimnisse vor den anderen verbirgt – und natürlich steckt weitaus mehr hinter dem Auftrag, als die sechs „Krähen“ ahnen können…

Meine Meinung

Zur Handlung muss ich gar nicht mehr viel sagen, denn die Inhaltsangabe auf der Rückseite ist wirklich exzellent. Das hat man auch nicht immer.

Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen. Vielleicht, weil sie zwar in der gleichen Welt wie die Grisha Reihe spielt und dennoch etwas völlig anderes ist. Das hatte ich einfach nicht erwartet. Doch im Plot angekommen, hat es mich glatt umgehauen.

Der Roman ist ein Genuss für jede:n Pen & Paper Rollenspieler:in. Auch wenn der Ort des Geschehens zwischendurch wechselt: Es ist ein Stadtabenteuer vom Feinsten.

Dazu kommen sechs perfekt ausgewürfelte Abenteurertypen (okay, das verstehen jetzt nur Rollenspieler:innen), komplex und detailverliebt gezeichnet, mit ausgearbeiteten Hintergrundgeschichten. Mir hat jeder einzelne von ihnen sehr gut gefallen. Natürlich auch, weil einige zarte Liebesgeschichten unter der Oberfläche lauerten.

Besonders schön ist, dass sich die Charaktere während der Lektüre wirklich weiter entwickeln. Dabei faszinierte mich vor allem, wie sich die Figur von Matthias (ein klassischer Krieger) verändert hat. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seinem Land und einer Grisha, die für alles steht, was er als „Drüskelle“ geschworen hat zu vernichten.

Damit ist die Hexe Nina gemeint, eine Entherzerin, auf deren Fähigkeiten es auf einmal als Bildnerin und Heilerin ankommt. Sie wiederum liebt mit Matthias einen Mann, der ausgebildet wurde, um Menschen wie sie zu jagen und der Gerichtsbarkeit Fjerdans auszuliefern (was einem Todesurteil gleichkommt).

Kaz, der Meisterdieb (also klassischer Spitzbube) trägt nach außen hin eine stahlharte Maske. Seine Geschichte steht in Sachen Traurigkeit den anderen in nichts nach. Vielleicht ist er deshalb der einzige, dem verborgen bleibt, dass er Inej längst voll und ganz verfallen ist.

Die Rede ist vom Phantom, einer klassischen Assassinin. Mit einer weiteren tragischen und komplexen Lebensgeschichte. Sie ist Kaz tief verbunden, verdankt ihm sogar ihr Leben. Doch es ist mehr – sie liebt ihn.

Zu Jasper hatte ich während des Lesens am häufigsten den Schauspieler aus der Netflixverfilmung im Kopf. Seine Figur ist aber auch grandios besetzt. Ein Glücksritter wie er im Buche steht. Zunächst dachte ich, er hätte eine weit schlichtere Hintergrundgeschichte als die anderen, doch sie geht viel tiefer als man denkt.

Wylan bildet zwar das sechste Mitglied der Crew, doch es wird weder aus seinem Blickwinkel berichtet noch erfahren wir viel über seine Hintergrundgeschichte.

Verfilmung

Die Grundidee dieses Buches bildet den zweiten Handlungsstrang der 1. Staffel der Netflixverfilmung.

Bis auf Kaz fand ich alle Charaktere auch in der Serie gut getroffen. Jedoch nimmt die Geschichte außer einiger Rahmenhandlungen darin eine ganz andere Wendung.

Sprachstil

Die Kapitel werden abwechseln aus den Perspektiven der Protagonisten (ausgenommen Wylan) jedoch von einem unbekannten Dritten erzählt. Das fand ich äußerst raffiniert. Auch die Rückblicke in die Vergangenheit der Protagonisten haben mir gefallen.

Die Atmosphäre ist um einiges düsterer als bei Grisha.

Fazit: Mission Impossible meets Fantasy…

Ein fantastisches Abenteuer mit überraschenden Wendungen und beeindruckenden Charakteren. Dazu spannend geschrieben bis zum Schluss! Ich kann es kaum erwarten, weiter zu lesen.

Bibliografie

Titel: Das Lied der Krähen
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetztung: Michelle Gyo
Verlag und Copyright: Knaur
Seitenzahl: 592
Erscheinungstermin: 02. Oktober 2017
Preis: 16,99€ (Paperback)

Das Gold der Krähen (Band II) – Achtung: Spoiler zu Band I!

Schon nach den ersten Seiten war ich wieder mitten unter ihnen: Den Krähen. Doch leider hat sich die Autorin in diesem Band etwas Unverzeihliches geleistet. Insbesondere weil es weder für die Handlung erforderlich noch in irgendeiner Weise passend war. Das hat mir einen mächtigen Dämpfer verpasst und sogar die Geschichte auf den letzten Seiten noch etwas verleidet.

Doch worum geht’s diesmal:

Kaz Brekker und seinen Krähen ist ein derart spektakulärer Coup gelungen, dass sie selbst nicht auf ihr Überleben gewettet hätten. Statt der versprochenen fürstlichen Belohnung erwartet sie jedoch bitterer Verrat, als sie nach Ketterdam zurückkehren. Haarscharf kommen die Krähen mit dem Leben davon, Kaz‘ Geliebte Inej gerät in Gefangenschaft. Doch Kaz trägt seinen Spitznamen »Dirtyhands« nicht ohne Grund – von jetzt an ist ihm kein Deal zu schmutzig und kein Risiko zu groß, um Inej zu befreien und seinen betrügerischen Erzfeind Pekka Rollins zu vernichten.

Meine Meinung zur Handlung

Der Plot an sich war wieder das reinste Abenteuer und dieses Mal habe die ganze Zeit Ocean Eleven Vibes gespürt, nur eben mit Magie. Die Mission war extrem knifflig und erschien nicht nur einmal völlig aussichtslos. Ich konnte zwar die alternativen Ausgänge einer Szene erahnen, war zwischen ihnen aber so hin- und hergerissen, dass ich der Autorin immer wieder auf den Leim gegangen bin.

Die Auflösung war schlüssig; dabei offensichtlich und unvorhersehbar zugleich. Bis auf die unverzeihliche Sache war das Ende sogar perfekt. Wer es schon gelesen hat, wird wissen was ich meine. Könnt ihr mir daher bitte erklären: WARUM. MACHT. SIE. DAS??? Es ist so sinnlos.

Charaktere

Was mir an Leigh Bardugos Figuren so gut gefällt, ist, dass sie für alle sechs Protagonist:innen eine detaillierte Hintergrundgeschichte ausgearbeitet hat, die man auch erkennt.

Es ist beeindruckend, wie man nach und nach jeden Charakter kennenlernt und einerseits versteht, wie sie zu den Menschen wurden, die sie auf den ersten Seiten waren, sowie andererseits miterlebt, wie sie sich durch die Beziehungen zueinander verändern.

Ninas Figur bleibt allerdings in diesem Band etwas unscheinbar. Sie kämpft immer noch gegen das Parem an und daraus hätte man definitiv mehr machen können. Vor allem finde ich schade, dass man nicht mehr über ihre Kräfte erfährt. Ihr und Matthias stehen natürlich immer noch die Dämonen ihrer jeweiligen Ausbildung im Weg, aber im Großen und Ganzen geht es mit ihnen recht flirty weiter – amüsant und süß, das mochte ich.

Gleiches gilt für Wylan und Jesper. Wylan ist zu einem vollwertigen Mitglied der Krähen geworden, was bedeutet, dass jetzt auch aus seiner Perspektive erzählt wird. Beide Figuren erhalten Raum für ihre Hintergrundgeschichten und es macht großen Spaß ihre Entwicklung zu verfolgen. Wir lernen auch mehr über ihre Väter, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Von Kaz und Inej wissen wir ja schon einiges und trotzdem geben sie nach und nach immer mehr über sich Preis. Zusammen machen sie mich jedoch so langsam wahnsinnig, weil sie um einander herumschleichen wie zwei Raubkatzen, die einfach nicht zueinander finden. Dabei wird im zweiten Teil noch deutlicher, wie viel sie einander bedeuten, doch keine:r ist bereit, die Mauer, die sie um ihr Herz gebaut haben, einstürzen zu lassen. Darüber hinaus muss sich Inej noch einer ganz besonderen Herausforderung stellen.

Der Sprachstil

Leigh Bardugo schreibt wie erwartet flüssig und fesselnd.

Auch im zweiten Band behält sie die Erzählweise aus den verschiedenen Perspektiven bei.

Zu Beginn sind sie in den jeweiligen (Liebes-)Paaren unterwegs, was mir sehr gut gefallen hat. Jedes Kapitel endet mit einem Mini-Cliffhänger, bevor es mit einem anderen Duo weitergeht. Das macht eine besondere Spannung aus und lässt mich den Roman durchsuchten.

Dilogie oder Trilogie?

Im Podcast von @Buchcastmafia habe ich gerade gehört, dass es einen dritten Teil geben soll. Ich könnte mir vorstellen, dass dann vielleicht auch die unverzeihliche Sache noch einen Sinn bekommt; außerdem hätte ich die Hoffnung, dass zwei der Charaktere doch noch endgültig zueinanderfinden. Im Netz konnte ich dazu jedoch nichts finden und auf der Verlagsseite wird „Das Gold der Krähen“ als sensationelles Finale gefeiert. Wer weiß mehr?

Fazit

Drei Liebesgeschichten in einem, dazu ein toller Coup á la Oceans Eleven in einer Welt voller Magie und Abenteuer.

Bibliografie

Titel: Das Gold der Krähen
Autorin: Leigh Bardugo
Übersetzung: Michelle Gyo
Verlag & Copyright: Knaur
Seitenzahl: 592
Erscheinungstermin: 03. September 2018
Preis: 16,99€ (Klappenbroschur)

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