Ich bin eigentlich keine Freundin von Tieren in Büchern, schon gar nicht von sprechenden. Aber seit Matou wurde ich ja eines Besseren belehrt. Außerdem wurde mir das Buch von der lieben @reading_wildbee empfohlen und die kennt meinen Lesegeschmack schon ziemlich gut.
Klappentext
Richard Gold hat alles vorbereitet. Heute ist der Tag, an dem er sich das Leben nehmen wird. Der Strick liegt schon um seinen Hals, als sich ein dürrer Kater vor das Fenster setzt, interessiert glotzt – und Gold komplett aus dem Konzept bringt. Als dann der Kater auch noch bei Gold einzieht, weil der einen großen Fernseher hat, ein „extremst“ weiches Bett und pünktlich Essen serviert, beginnt die skurrile Freundschaft zwischen zwei Außenseitern, von denen zumindest einer ganz fest an ein Happy End im Leben glaubt.
Meine Meinung
Ein Kater rettet ein Leben und damit irgendwie auch sich selbst – was auf den ersten Blick nach einer kitschig-skurrilen, aber vor allem leichten Tiergeschichte klingt, entpuppt sich schnell als berührender, tiefgründiger Roman über Freundschaft, Verlust und neue Hoffnung.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Streuner Frankie, der mit seiner naiv-kindlichen, flapsigen Art sofort einen ganz eigenen Ton anschlägt. An diesen Sprachstil muss man sich erst mal gewöhnen, aber dann entfaltet sich gerade durch diesen „Straßenkater-Slang“ der ganz besondere Charme des Buches. Frankie spricht und versteht übrigens „Menschisch“, jedenfalls das, was er verstehen will – und das sorgt für weitere witzige, absurde und zugleich berührende Momente.
Und trotz der ernsten Themen wie Trauer, Depression und Suizid, schafft es das Buch, Mut zu machen. Denn Frankie begegnet all dem mit der typisch katzenkaterhaften Akzeptanz: Der Tod gehört zum Leben – Punkt. Und natürlich ist Leben per se besser als Tod. Dabei hat auch er eine traurige Lebensgeschichte (Taschentücher bereit halten!). Diese tierische Perspektive auf menschliche Probleme, gepaart mit viel Wortwitz, macht die Geschichte nicht nur unterhaltsam, sondern auch überraschend tröstlich. Und so holt Frankie Gold mit seinem eigenwilligen Verhalten, seiner Neugier und seinem sehr eigenen Blick auf die Menschen Stück für Stück zurück ins Leben.
Der Roman kommt insgesamt mit wenigen Figuren aus, die aber allesamt originell gezeichnet sind. Neben Frankie sorgen unter anderem eine elegante Katze mit dem klangvollen Namen Puschnelka Schnurrilenko, ein dreibeiniger Dackel namens Professor und ein eloquentes Eichhörnchen für herrlich schräge Begegnungen. Und dann ist da noch Anna, die Tierärztin, die nicht nur in Golds Leben eine besondere Rolle spielt.
Besonders berührt hat mich aber auch Frankies eigene Vergangenheit – etwa, wenn er sich früher im Winter in einer Badewanne auf dem Müllberg ganz klein zusammenrollen musste, um nicht ganz so doll zu frieren. Es sind diese kleinen Momente, in denen man als Leser*in merkt, wie nah einem dieser freche, liebevolle Kater doch geht.
Fazit
Ein bittersüßes Buch, das gleichermaßen zum Lachen und zum Weinen bringt. Tiefgründig, warmherzig, herrlich schräg – und nicht nur für KatzenKaterliebhaber ein echtes Highlight. Wer gerade selbst in einer schwierigen Lebensphase steckt, könnte in Frankie vielleicht genau das finden, was auch Gold gefunden hat: ein bisschen Trost, ein bisschen Hoffnung – und eine ziemlich großartige Freundschaft.
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Frankie
Autor: Jochen Gutsch
Verlag & Copyright: Penguin
Seitenzahl: 192
Erscheinungstermin: 12. März 2025
Preis: 13 € (Taschenbuch)