Bambino von Marco Balzano

An „Bambino“ hat mich vor allem die Frage interessiert, wie ein junger Mensch zum Faschisten wird und was ihn dazu bringt, anderen kaltblütig solche Gewalt anzutun.

Klappentext

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. Im Schlamm und Schmutz des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und er muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

Meine Meinung

Wow, ich glaube ich habe noch nie einen so unsympathischen Protagonisten gelesen. Mattia ist brutal, rücksichtslos und voller Hass. Gleichzeitig steckt in ihm eine tiefe innere Leere und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Obwohl ich seine Taten verabscheuend fand, konnte ich später trotzdem nicht einfach denken: „Geschieht ihm recht“, als ihm das Gleiche angetan wurde.

Seine Figur ist komplex gezeichnet und der Stil lässt uns tief in seinen Kopf eintauchen. Dadurch entsteht fast so etwas wie ein Psychogramm eines Täters. Ich fand es spannend und gleichzeitig verstörend zu verfolgen, wie ein Junge sich dem Faschismus zuwendet und welche Rolle Ideologie, Macht und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit dabei spielen.

Die Beziehung zwischen Mattia und seinem Vater hat mich sehr berührt. Obwohl er Antifaschist ist und bis zuletzt an seinen eigenen Überzeugungen festhält, gibt er gleichzeitig seinen Sohn niemals auf. Wie schwer es für ihn gewesen sein muss, die Entwicklung seines Sohnes mitzuerleben, konnte ich beim Lesen sehr gut nachempfinden.

Was ich nicht ganz verstanden habe, war Mattias obsessive Suche nach seiner Mutter und warum sein Vater sich so konsequent weigert, über sie zu sprechen.

Der Schreibstil ist klar, hart und doch einfühlsam. Das hat sehr gut zu Mattias Figur und seiner Entwicklung gepasst.

Und ich habe in diesem Roman viel über die Geschichte Triests bzw. die Grenzregion zwischen Italien, Slowenien und Kroatien während des zweiten Weltkrieges gelernt. Er vermittelt ein klares Bild darüber, wie der italienische Nationalismus den Alltag und das Leben der Menschen verändert hat.

Fazit

Bambino ist ein harter Roman über Faschismus, Radikalisierung und die Frage, wie ein Mensch zu dem werden kann, was Mattia geworden ist: ein Täter, den ich zutiefst ablehne und dessen innere Leere ich trotzdem verstehen wollte. Genau dieser Widerspruch hat mich beim Lesen nicht losgelassen.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Diogenes Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Bibliografie

Titel: Bambino

Autor: Marco Balzano

Übersetzung: Peter Klöss

Verlag & Copyright: Diogenes

Seitenzahl: 256

Erscheinungstermin: Januar 2026

Preis: 25 € (Hardcover)

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