Was für eine Entdeckung! Banu Mushtaq nimmt uns mit in den Alltag südindischer Frauen und erzählt von Wut, Trauer, Ungerechtigkeit und Widerstand – aber mit so viel Humor, dass ich dieses Buch trotz seiner schweren Themen unglaublich gerne gelesen habe.
Klappentext
12 Frauen gegen das Patriarchat. In ihren Storys, die über drei Jahrzehnte hinweg entstanden sind, feiert Banu Mushtaq die kleinen, alltäglichen Arten weiblichen Widerstands. Die Kulisse: ein von Klassismus und Korruption zerfressenes Land – Indien.
Aashraf, die von ihrem Mann verlassen wird, weil sie ihm nur Töchter zur Welt bringt. Jamila, deren Bruder versucht, sie im Namen der Religion um ihr Erbe zu betrügen. Akhila, deren Mann ihr kaum in die Augen schauen kann, aber herumspringt wie ein junges Kalb, wann immer er seine Mutter sieht.
Sie alle sind in ihrer Trauer und Wut vereint. Und sie lachen den Mächtigen mit aufmüpfigem Witz ins Gesicht.
Meine Meinung
Eigentlich beschreibt der Klappentext das Buch schon sehr gut.
Banu Mushtaq erzählt von Frauen, die in einer Gesellschaft leben, in der ihnen vieles vorgegeben wird. In den zwölf Kurzgeschichten lässt sie sie zu Wort kommen. Dabei erweist sich die Autorin als sehr gute Beobachterin, die lebensechte Figuren zeichnen kann. Ihre Protagonistinnen sind wütend, traurig, trotzig und manchmal überraschend humorvoll. Aber vor allem werden sie nicht automatisch als Opfer von Patriarchat und Religion dargestellt, denn sie suchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten nach Wegen, sich zu behaupten und Widerstand zu leisten: manchmal laut und deutlich, manchmal ganz leise. Schließlich muss nicht jede Rebellion groß sein, um etwas zu bedeuten. Sie sind auch nicht zwangsläufig sympathisch, nur weil sie Frauen sind und soziale Ungerechtigkeit erfahren.
Für meine literarische Weltreise war dieses Buch eine große Bereicherung. Durch jede der zwölf Geschichten wurde ich in die vielschichtigen Traditionen und Gepflogenheiten des Zusammenlebens in Indien hineingezogen – sei es muslimische Beisetzungsrituale oder hinduistische Bräuche. In der Nachbemerkung der Übersetzerin erfahren wir, dass die Geschichten auf Kannada geschrieben wurden, der offiziellen Sprache des südindischen Unionsstaates Karnataka. Ich empfinde das als großes Glück: es zeigt, wie uns solche Übersetzungen Türen zu Lebenswelten öffnen, die wir sonst vielleicht nie kennenlernen würden.
Fazit
Ein Buch, das meine literarische Weltreise auf besondere Weise bereichert hat: Zwölf Geschichten, die mir Südindien nähergebracht und mir gleichzeitig gezeigt haben, wie unterschiedlich weibliche Lebensrealitäten sein und auf wie viele verschiedene Arten wir rebellieren können.
Über die Autorin Banu Mushtaq
Banu Mushtaq ist Autorin, Anwältin und Aktivistin. Sie wurde 1948 im indischen Hassan in Karnatak geboren. »Meistens bleibt ja die Frau zu Hause« versammelt Erzählungen aus 30 Jahren und wurde als erster Erzählband überhaupt mit dem International Booker Prize 2025 ausgezeichnet. Das Buch erscheint in über 15 Ländern.
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Kjona Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Meistens bleibt ja die Frau zu Hause
Autorin: Banu Mushtaq
Übersetzung: Katrin Binder
Verlag & Copyright: Kjona
Seitenzahl: 256
Erscheinungstermin: 18.08.2026
Preis: 23 € (Hardcover)