Dieses Buch hat mich als Teil einer Bloggerbox vom Kiwi Verlag erreicht – und schon nach wenigen Seiten war klar: Es würde mich für ein paar Stunden direkt an ein ruhiges Flussufer entführen.
Klappentext
Sara Harmsen betreibt eine kleine Fähre, die das Dorf Erlengrund mit dem Rest der Welt verbindet. Mit sieben Hühnern, drei Schafen und der Hündin Luna lebt sie in einem abgelegenen Haus am Fluss. Eines Tages taucht auf Saras Fähre ein junger Mann mit einer Kopfverletzung auf, Leon. Sara verarztet den jungen Mann und versteckt ihn bei sich. Dafür verlangt sie, dass er ihr bei den Arbeiten rund um ihr Haus hilft. Beim Scheren der Schafe, bei der Reparatur des Hühnerstalls und beim Sensen der Obstwiese kommen sich Sara und Leon zögerlich näher und bringen den Mut auf, sich ihren alten Wunden zu stellen. Und sie teilen ihre Liebe zur Natur und die Sorge um unseren Planeten. Als die beiden sich gegen eine geplante Brücke wenden, die Saras Fähre bedroht, sehen sie sich Anfeindungen und Übergriffen aus dem Dorf ausgesetzt. Und dann tritt auch noch der Fluss über die Ufer …
Meine Meinung
„Tage am Fluss“ ist ein wunderbar entschleunigender Roman, der mich vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen hat. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, selbst auf Saras Hof angekommen zu sein. Ich konnte den Fluss rauschen hören, die Sommersonne auf der Haut spüren und den Duft von Gras und Heu riechen. Die Beschreibungen des Lebens auf dem kleinen Hof, der Fähre und inmitten der Natur sind so atmosphärisch, dass sie Erinnerungen an die Sommer auf dem Bauernhof meines Onkels geweckt haben. Der Fluss ist dabei weit mehr als nur die Kulisse – er wird selbst zu einem wichtigen Teil der Handlung.
Mindestens genauso sehr haben mich die Figuren begeistert. Sara mochte ich sofort und auch Leon war mir gleich sympathisch. Beide haben Geheimnisse und eine Hintergrundgeschichte, die erst nach und nach enthüllt werden, wodurch mich der Roman sehr gefesselt hat. Sie kämpfen mit Angst und Schuldgefühlen. Dass Sara immer wieder die Stimme ihres kleinen Bruders in ihrem Kopf hört, hat mir auch gut gefallen, denn es macht ihre Trauer und ihre Vergangenheit sehr greifbar.
Zwischen Sara und Leon entwickelt sich zunächst ein Zweckbündnis, aus dem langsamen Vertrauen wächst. Diese vorsichtige Annäherung hat mir sehr gefallen, weil sie glaubwürdig und behutsam erzählt wird. Gleichzeitig blieb ich lange unsicher, wie ihre Beziehung eigentlich einzuordnen ist. Durch den scheinbar großen Altersunterschied und die Tatsache, dass Leon Sara konsequent siezt, während sie ihn duzt, konnte ich lange nicht einschätzen, ob sich hier eine Liebesgeschichte entwickelt oder eher eine verwandtschaftliche Verbundenheit entsteht. Das hat mich zwischendurch etwas irritiert, auch wenn ich die Entwicklung zwischen den beiden insgesamt sehr gelungen fand.
Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft und passt perfekt zur ruhigen Erzählweise. Trotz des entschleunigten Tempos hatte die Geschichte für mich keinen einzigen Durchhänger. Im Gegenteil: Weil nach und nach immer mehr über Sara und Leon ans Licht kommt, wollte ich unbedingt weiterlesen und habe das Buch schließlich in einem Rutsch beendet. Gegen Ende zieht das Tempo sogar noch einmal deutlich an und die Geschichte wird überraschend spannend und fast schon abenteuerlich.
Besonders gut gefallen hat mir, wie selbstverständlich Themen wie Natur- und Klimaschutz in die Handlung einfließen. Vor allem Leons aufrichtige Ohnmacht gegenüber der Ignoranz und Bequemlichkeit vieler Menschen im Umgang mit unserem Planeten hat mich sehr bewegt.
Eine Besonderheit sind außerdem die zahlreichen Gedichtzitate, die Sara und Leon immer wieder einfließen lassen. Die meisten davon waren mir zwar nicht bekannt, doch wer Lyrik liebt, wird darin sicher viele schöne kleine Entdeckungen machen.
Lediglich auf eine Kleinigkeit möchte ich hinweisen: Im Verlauf der Geschichte sterben zwei Tiere. Wer auf solche Szenen sensibel reagiert, sollte das vor der Lektüre wissen.
Fazit
„Tage am Fluss“ ist ein entschleunigender Sommerroman voller Atmosphäre, lebensechter Figuren und wunderschöner Naturbeschreibungen, der gleichzeitig wichtige Themen anspricht, ohne jemals belehrend zu wirken. Für mich war dieses Buch wie ein Tag am Wasser – ruhig, wohltuend und doch voller Emotionen. Ich kann es mir als perfekte Lektüre für einen heißen Sommertag am See vorstellen, besser noch am Fluss oder auch einfach „nur“ im Freibad.
Kostenloses Rezensionsexemplar
Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom KiWi Verlag zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.
Bibliografie

Titel: Tage am Fluss
Autor: Jochen Mariss
Verlag & Copyright: Kiepenheuer und Witsch
Seitenzahl: 320
Erscheinungstermin: 09.07.2026
Preis: 23 € (Hardcover)