Das Buch der gelöschten Wörter – Der erste Federstrich von Mary E. Garner

Wenn ihr in die Welt eines Buches schlüpfen und mit den Charakteren interagieren und sprechen könntet, welchen Ort würdet ihr wählen? Zum Quidditch nach Hogwarts? Von Snaefellsness zum Mittelpunkt der Erde? Mittwochs zum Tee in die Valerie Lane? Oder doch ins Auenland? Ich würde mich vermutlich für das St. Mary‘s Institute entscheiden und mit Max auf Zeitreise gehen – oder doch lieber für einen Sommertag nach Aquitaine? Natürlich ohne die Verbrechen, am besten also wenn Luc Verlain Urlaub hat…

Handlung

Für Leseratte Hope Turner geht dieser Traum nämlich in Erfüllung. Sie arbeitet ganz unspektakulär bei einer Online Partnervermittlung und hat außer ihrer Demenzkranken Mutter eigentlich Niemanden – Bis sie eines Tages in eine ganz besondere Buchhandlung stolpert. Denn in Mrs. Gateway’s Fine Books kann man sich wirklich und wahrhaftig in Bücherwelten lesen (lassen).

Und auf einmal ist Hope gar nicht mehr allein, sondern versucht gemeinsam mit ihren neuen Freunden aus Echt- und Bücherwelt eine Verschwörung aufzudecken, die alles ins Chaos stürzen könnte.

Achtung Cliffhanger

Die Handlung wird übrigens nicht wirklich abgeschlossen, will heißen: Am Ende wartet ein unglaublich gemeiner Cliffhanger… Wer das nicht mag, sollte lieber warten, bis die Trilogie vollständig erschienen ist und dann alle Bücher hintereinander weg lesen.

Weltenaufbau

Die Geschichte basiert auf der Idee, digital geschriebene und anschließend gelöschte Wörter würden nicht verschwinden, sondern weiter existieren. Als dies der Familie eines Schriftstellers zum Verhängnis wird, gründet er den BUND, eine Organisation, die als Beschützer aller Welten inkl. der realen angesehen werden kann. Außerdem erschafft er das BUCH, welches die gelöschten Wörter einfängt. Doch einer Gruppe namens „Die Absorbierer“ – die deutsche Übersetzung findet ihr auch etwas lachhaft oder? – ist es gelungen, das Buch zu manipulieren und in Zorn geschriebene Wörter für Anschläge zu missbrauchen. Nur einige auserwählte Menschen, sog. „Verwandler“ können den Wörtern die böse Absicht nehmen und sie neutralisieren. Doch zum BUCH gelangt man nur über eine der Bücherwelten. Dabei helfen die „Wanderer“, die den Verwandlern vorlesen und sie so ins Buch hineinbringen. Jeder Wanderer hat wiederum 1-3 Romanfiguren als Gehilfen, die damit in der Lage sind zwischen den Buchwelten zu wechseln. Romanfiguren können nach erstmaligem Lesen aus ihrer Handlung ausbrechen und sich eigenständig weiter entwickeln. Aber sie sind dabei auf ihre Buchwelt beschränkt. Darin liegt ein weiterer Reiz für mich. Denn so bringt mich die Autorin mit einer einzigen Geschichte an zahlreiche Schauplätze und ich lerne Guinevere und Lancelot, Anna Karenina und Lassie ganz anders als in den zugrunde liegenden Romanen kennen.

Charaktere

Hope hat mir von Anfang an gut gefallen. Ihr Charakter ist sympathisch und authentisch.

Aber auch alle Nebencharaktere sind sehr liebevoll und Detailreich ausgestaltet. Selbst der Pfleger des Altenheims hat eine eigene Geschichte (oder er spielt im nächsten Band eine bedeutendere Rolle…)

Von den männlichen Protagonisten will ich lieber nicht zu viel verraten. In Punkto Liebesgeschichte hat unsere Protagonistin hier nämlich die Qual der Wahl. Nur so viel: Bis zum allerletzten Satz des Epilogs wollte ich nicht wahrhaben, was mein Unterbewusstsein schon längst erkannt hatte und mich immer wieder über ein leichtes Bauchziehen spüren ließ. Doch ich hatte von Anfang an meine eigene Vorstellung davon, wer Hope’s Herz erobern sollte. Und ein Teil von mir wünscht sich immer noch eine Erklärung für diesen Schluss. Der ist wie gesagt, besonders fies und hat für mich sowohl mit der Liebesgeschichte als auch mit der Intrige zu tun.

Sprachstil

Die Autorin schreibt leicht, locker und sehr bildhaft. Sie konnte mich problemlos in die unterschiedlichen Buchwelten versetzen und auch Mrs Gateways Fine Books hatte ich direkt vor Augen.

Der Roman kommt dabei ohne viel Action aus. Die Handlung ist eher ruhig, gleichzeitig ist es eine durchaus spannende Geschichte.

Genre

Ich würde diesen Roman in die Kategorie gelassener Abenteuerroman gepaart mit einer Liebesgeschichte einsortieren. Also genau mein Geschmack!

Fazit

Die Welt die Mary E. Garner hier erschaffen hat, ist wirklich einzigartig und für jeden Bücherfan empfehlenswert entdeckt zu werden.

Besonders gut haben mir die Detailverliebten Beschreibungen der Buchwelten gefallen, vor allem weil ich einige der dazugehörigen Geschichten selbst schon gelesen habe. Nur bei den (britischen) Kinderbüchern musste ich passen. Dabei baut Mary E. Garner Literaturklassiker auf ihre ganz eigene Weise in die Handlung ein. Wer also wissen möchte, wie Shakespeare Romeo und Julia wirklich enden ließ, kommt an diesem Roman nicht vorbei.

Eine klare Leseempfehlung für alle Bücherwürmer.

Infos

Titel: Das Buch der gelöschten Wörter – Der erste Federstrich

Autorin: Mary E. Garner

Verlag und Copyright: Bastei Lübbe

Seitenzahl: 412

Erscheinungsdatum: 30.04.2020

Preis: 14 € (Paperback)

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