Die Entdeckung des Glücks von Isabell Prophet

Ich liebe gut geschriebene Sachbücher und Ratgeber. Insbesondere die Neurowissenschaften haben es mir angetan, gern auch in Kombination mit ethischen oder philosophischen Fragestellungen. Das Konzept „Glück“ fasziniert mich dabei schon seit längerem (ebenso wie das „Böse“, aber das ist eine andere Geschichte und ein anderes Buch…), daher habe ich mich sehr auf die Lektüre von „Die Entdeckung des Glücks“ gefreut. Und es hat mich Gott sei Dank nicht enttäuscht. Wirklich, Isabel Prophet ist da ein Megabuch gelungen.

Cover

Ihr wisst, ich bin ein Cover-Mensch. Doch ausnahmsweise hat mich dieses Buch aufgrund des Titels und des versprochenen Inhalts interessiert. Trotzdem gefällt es mir, wie golden fließender Sand langsam den Titel freilegt. Auch die Farbwahl ist sehr passend für dieses Sachbuch.

Aufbau

Was mich am meisten beeindruckt ist, wie ausgezeichnet das Buch recherchiert ist. Das Literaturverzeichnis (über 100 Quellen) ist ein wahrer Schatz an Folgeliteratur. Die eine oder andere Quellenangabe werde ich mir sicherlich auch noch einmal ansehen.

Das Buch ist in drei größere Abschnitte eingeteilt:

  • Wie wir unser Glück verhindern
  • Wo wir unser Glück finden
  • Was wir für unser Glück tun können

Für ein Sachbuch lässt es sich auch ausgesprochen leicht lesen. Isabel Prophet schafft es, die Informationen so aufzubereiten und zu vermitteln, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Durch die anschaulichen Beispiele kann man die Konzepte leicht auf sich selbst übertragen. Als ich mir den Klappentext durchgelesen habe, dachte ich zunächst, es wäre ein Ratgeber im Stil von „simplify your life“. Aber es ist viel mehr als das. Erstmal werden Grundlagen aus der Glücks- und Hirnforschung dargelegt. Warum wir beispielsweise immer denken, dass wir glücklich wären, wenn wir doch nur endlich diese Beförderung bekämen oder unseren Traummann fänden oder ein Kind hätten. Wenn das Ereignis dann aber eintritt, gewöhnt man sich daran – und will mehr. Glück ist eben nicht von Dauer.

Ich hatte beim Lesen direkt Bilder im Kopf, bspw. bei dem Thema, dass wir Dinge, die wir nicht gleich erledigen, ständig im Kopf präsent haben und uns das stresst. Da kam mir sofort das Bild von Post-Its in den Kopf, die an meinem Gehirn drankleben (Schubber)…

Am spannendsten fand ich das Kapitel zur neuronalen Umprogrammierung

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist unser Gehirn darauf programmiert, stetig nach Gefahren Ausschau zu halten, sich also leicht ablenken zu lassen, um Gefahren wahrzunehmen. Ein Knacken hinter uns zu erkennen, während wir am Feuer ein Wildschwein braten, konnte früher über Leben und Tod entscheiden. Jetzt, wo wir diese Aufmerksamkeit eigentlich nicht mehr bräuchten, nimmt unser Gehirn nur zu gern andere Ablenkungen wahr, wie bspw. den Eingang einer neuen Nachricht oder die Idee, mal eben schnell nach einem Geschenk für die beste Freundin zum Geburtstag zu suchen. Das jedoch stört unser Glück. Anscheinend sind wir am Glücklichsten, wenn wir uns für unsere Aufgaben Zeit nehmen und sie gleich erledigen, statt sie zehnmal anzufassen. Über den Tag verteilt hingegen, bringt uns etwas Abwechslung Glück. Dem würde ich durchaus zustimmen, ist der Drang, während ich das hier schreibe, doch ziemlich hoch, mal eben schnell das Buch „Leseglück“ zu bestellen, dass der Autor sogar signieren würde, wie ich von seinem Instagramaccount weiß, den ich gerade mal kurz gecheckt habe…

Und zugegeben, es war mal ziemlich wichtig, sich insbesondere die negativen Erfahrungen zu merken, wie bspw. dass es keine gute Idee war, von dem schönen roten Fliegenpilz zu naschen. Dass hingegen die grünen Trauben zuckersüß und super lecker geschmeckt haben, ist zwar nett zu wissen, aber nicht wirklich überlebenswichtig. Aber das soll der Grund dafür sein, dass bei uns eher die negativen Erlebnisse des Tages hängen bleiben. Und wer kennt das nicht: Man kommt nach Hause, wird nach seinem Tag gefragt und schon geht der Mecker-Schlag-Abtausch los. Als Gegenmaßnahme wird bspw. ein Ritual vorgeschlagen, bei dem man sich abends gegenseitig drei Dinge berichtet, die einen glücklich gestimmt haben. Ähnlich verhält es sich mit Dankbarkeitstagebüchern. Man kann also diese Verbindungen lösen, Ängste reduzieren und durch „Training“ die positiven Erinnerungen hervorheben.

Die Autorin belegt also, wie wir unser Gehirn umprogrammieren können, aber mehr will ich an dieser Stelle auch gar nicht verraten. Lest doch bitte selbst, warum es uns glücklich macht, einen ungeschätzten Kollegen zu loben oder gleich nach dem Aufstehen zwanzig Minuten Sport zu machen.

In Bezug auf den Arbeitsalltag lassen sich aus dem Buch folgende Rahmenbedingungen für das „Glücklichsein“ entnehmen:
  • Ein richtig guter Arbeitsplatz startet erst am Arbeitsplatz
  • Abwechslung über den Tag hinweg, aber
  • Keine Ablenkungen während der einzelnen Aufgaben
  • Flexibel und sinnvoll gesetzte Pausen

Im Gegensatz zum Buch „Acht Stunden mehr Glück“ geht die Autorin also davon aus, dass man Arbeit und Freizeit sinnvollerweise nicht mischen sollte. Ich bin mir noch unschlüssig, wem ich hier folgen würde.

Fazit

Isabel Prophet gibt mit diesem Buch einen anschaulichen Einblick in die Glücksforschung, was insbesondere durch ihre persönlichen Beispiele gelingt. Und auch wenn der Fokus nicht wie erwartet ausschließlich auf der Arbeitswelt liegt, gibt sie doch Tipps, wie wir auch im Büroalltag glücklicher werden können. Das Buch gibt zahlreiche Denkanstöße und hat mich in jedem Fall zum Nachdenken angeregt. Ganz im Sinne des Sprichwortes „Jede/r ist des eigenen Glückes eigener Schmied“ erfahren wir, wie man am Ende die glücklichen Momente in Erinnerung behält und seinem Gehirn so einen positiven „Glücksfilter“ verpasst.

Besonders überrascht hat mich übrigens, dass es „Glück“ als Unterrichtsfach in der Schule gibt.

Zum Abschluss beziehe ich mich mal auf die These, dass Dankbarkeit glücklich macht. In diesem Sinne bin ich dankbar für dieses Buch, für die Posts, die mich darauf haben neugierig werden lassen und für die Freundin, die es mir zum Geburtstag geschenkt hat.

In der Tat: Unglücksein fühlt sich anders an…

Infos

Titel: Die Entdeckung des Glücks

Autorin: Isabell Prophet

Verlag: Mosaik

Seitenzahl: 256

Preis: 16 € (Paperback)

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