Die großen Vier von Agatha Christie

Wer hat schon einmal von Achille Poirot gehört? Dem Zwillingsbruder unseres Meisterdetektivs? Niemand? Tja, ich auch nicht. Aber im Kampf gegen ein weltweit agierendes Verbrechersyndikat braucht er wohl jede Hilfe, die er kriegen kann…

Inhaltsangabe des Verlags

Ein Unbekannter taucht bei Poirot auf und bricht vor ihm zusammen. Wer ist der Mann? Und was hat es mit „den großen Vier“ auf sich, von denen er murmelt? In einem ihrer schwierigsten Fälle geraten der Meisterdetektiv und sein Kollege Hastings in Lebensgefahr, während sie versuchen, die Machenschaften einer internationalen Verbrecherorganisation aufzudecken.

Meine Meinung

„Die großen Vier“ ist kein klassischer Hercule Poirot. Es fehlt die typische Souveränität, mit der unser Meisterdetektiv aus dem Sessel heraus das „who done it“ Rätsel löst. Stattdessen jagen er und sein Freund Hastings von einem Schauplatz zum nächsten, um einer Organisation das Handwerk zu legen, die nichts geringeres anstrebt, als die Weltherrschaft an sich zu reißen. Das Buch gleicht also eher einem Spionagethriller á la James Bond als einem Kriminalroman und das wirkt leider oft überzogen und wenig realistisch. Ungewöhnlich actionreich ziehen beide Parteien alle Register: Entführung, Mord, Täuschung – selbst Captain Hastings wird zum Undercover-Agenten…

Eine Erklärung für die Abweichung zu seinen übrigen Fällen liefert eine kurze Internetrecherche (ich glaube nicht, dass es in Agatha Christies Autobiografie erwähnt wurde): Die Autorin brauchte anscheinend Geld, war aber angesichts des Todes ihrer Mutter unfähig, einen ganzen Roman zu schreiben. Mit Hilfe ihres Schwagers veröffentlichte sie daher mehrere Kurzgeschichten in der Zeitschrift „The Sketch“, die anschließend zu dem hier vorliegenden Buch zusammengefasst wurden.

Und ja, ich gebe zu, die Geschichte ist etwas over the top. Aber das Genie der Queen of Crime blitzt auch in diesem etwas konstruiert wirkenden Fall durch die Seiten. Da seine grauen Zellen dieses Mal nicht auszureichen scheinen, greift unser Meisterdetektiv zu ungewöhnlichen Methoden, in die er – natürlich – weder uns noch seinen treuen Gefährten Hastings einweiht. Die Finten sind gut gelegt und so nehme ich das angebotene Lügenmärchen glatt für bare Münze…

Fazit

Ein wirklich untypischer Fall für Hercule Poirot, der aufgrund des Aufbaus leider wenig Möglichkeiten zum Miträtseln bot. Trotzdem habe ich das Buch ganz gern gelesen; würde es aber keinem Christie-Neuling empfehlen.

Bibliografie

Titel: Die großen Vier
Autorin: Agatha Christie
Übersetzung: Giovanni Bandini
Verlag und Copyright: Atlantik
Seitenzahl: 224
Erscheinungsdatum: 04. September 2015
Preis: 12 € (Taschenbuch)

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