Die kleinen Geheimnisse des Herzens von Celia Anderson

Weder Klappentext noch Leseprobe haben einen Hinweis auf das magische Element dieser Geschichte gegeben, sodass ich ehrlich gesagt etwas anderes erwartet habe. Das anders natürlich nicht schlechter bedeutet, zeigt dieser Roman. Wer aber mit einem Hauch Übernatürlichem, Mystischem nichts anzufangen weiß, wird von diesem Buch vermutlich enttäuscht sein.

Klappentext

May Rosevere, eine rüstige Dame in gesegnetem Alter, genießt ihren Lebensabend in dem kleinen Dorf Pengelly in Cornwall. Als Emily, die Enkelin ihrer Nachbarin, anreist, um ihr Leben neu zu ordnen, beobachtet May Emilys Bemühungen mit Interesse und Wohlwollen. Denn seit einem tragischen Vorfall vor ein paar Jahrzehnten, in den die Familien beider Frauen verwickelt waren, fühlt sich die alte Dame Emilys Familie gegenüber schuldig. May würde die Zeit wahnsinnig gerne zurückdrehen. Aber da es für sie selber schwierig ist, ihr Leben umzukrempeln und von vorne anzufangen, beschließt sie, stattdessen Emily zu helfen – wenn auch mit etwas unkonventionellen Methoden …

Sprachstil

Der Sprachstil ist locker leicht, bestens geeignet zum Wegsuchten. Was meinen Lesefluss aber etwas gehemmt hat, war die Vielzahl an Namen und Figuren, ihre Beziehungen zueinander oder die Schwierigkeit, ihr Alter bzw. ihre Generation zu bestimmen. Insbesondere im Hinblick auf den Geburtsjahrgang wirkte kaum ein Charakter authentisch, denn wenngleich sich das hohe Alter Mays durch die Geschichte erklären lässt, das der anderen wird es nicht.

Charaktere und Geschichte

May ist für mich die Hauptfigur der Geschichte, was auch an ihrem äußerst komplexen und Detailreich ausgearbeiteten Charakter liegt. Dass sie im wahrsten Sinne Erinnerungen stielt, kam für mich auch überraschend, das hätte ich so nicht erwartet. Gleichzeitig macht sie diese Eigenschaft – oder besser gesagt, was sie damit macht – leider sehr unsympathisch. Nur auf Ihr eigenes Wohl und ihr Lebensalter bedacht, schert sie sich anscheinend keinen Deut um das Wohl anderer. Ich kann es immer schwer aushalten, wenn eine Figur eine andere in Büchern ausnutzt. Und das ist es ja, was sie mit Julia macht. Das kuriose an der Geschichte war für mich, dass ich sie auf der anderen Seite aber auch ein Stückweit verstehen konnte.

Alle Nebenhandlungen, selbst die Liebesgeschichte zwischen Emily und Andy, sind irgendwie mit Marys verbunden. Allerdings fand ich gerade die Begleitumstände dieser Romanze etwas merkwürdig.

Am Ende lässt mich die Geschichte etwas ratlos zurück, denn die Auflösung fand ich mehr als unbefriedigend. Mir kam es so vor, als würde auf den wenigen verbleibenden Seiten schnell noch für alles eine Erklärung hergezaubert werden müssen. Die Geschichte erschien mir damit unausgewogen und einige Entwicklungen nicht schlüssig. Weitere gut genutzte 20 bis 50 Seiten hätten dem Roman gut getan und den Schluss nicht ganz so unausgegoren wirken lassen.

Fazit

Eine schöne, kurzweilige Geschichte mit Potenzial, das aber leider nicht wirklich genutzt wurde.

Kostenloses Leserundenexemplar

Das Buch wurde mir im Rahmen einer Leserunde auf Lesejury.de kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinträchtigt in keiner Weise meine Bewertung.

Infos

Titel: Die kleinen Geheimnisse des Herzens

Autorin: Celia Anderson

Übersetzung: Kerstin Ostendorf

Verlag und Copyright: Bastei Lübbe

Seitenzahl: 480

Erscheinungsdatum: 30. April 2020

Preis: 18 € (Hardcover)

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