Die Wettermacher – Wie Wetterberichte entstehen und was sie vorhersagen können von Andrew Blum

Hach, was bin ich um dieses Sachbuch herumscharwenzelt… Leider hat es mich enttäuscht, die Lektüre war für mich der klassische Fall falscher und damit nicht erfüllter Erwartungen. Schluchz! Dabei finde ich Meteorologie sooo spannend und hätte furchtbar gern einen Einblick in die Entstehung von Wettervorhersagen gewonnen. Doch es geht vielmehr um die historische Entwicklung der Meteorologie als um die Wissenschaft selbst.

Dabei hat mich der Titel sogar gewarnt, denn der Fokus liegt wirklich auf den Personen und Institutionen, die sich mit dem Wetter beschäftigen, sowie den technischen Hilfsmitteln, derer sie sich bei Beobachtung und Erforschung bedienen. Doch ich ließ mich ja lieber vom nicht ganz passend gewählten Untertitel verführen, den mein Unterbewusstsein ganz im Sinne meines Wunschdenkens interpretiert hat. Doch leider habe ich auch nach der Lektüre nicht den Hauch einer Ahnung

Wie Wetterberichte entstehen und was sie vorhersagen können.“ (Untertitel)

Natürlich hätte ich auch den Klappentext ohne rosarote Brille lesen sollen, denn er beschreibt in der Rückschau das Buch recht genau.

Wer liefert täglich das Wetter? Woher stammen die Informationen und was können sie wirklich vorhersagen? In einem faszinierenden Blick hinter die Kulissen schildert Andrew Blum die weltumspannende meteorologische Infrastruktur und die Menschen, die sie geschaffen haben. Nie hatten wir genauere Beobachtungen, genauere Daten, bessere Vorhersagen. Und in Zeiten von bedrohlichen Extremwetterereignissen sind wir davon abhängiger denn je.

Aufteilung

  • Das erste Teil trägt den Obertitel „Berechnung“, der mich voller Vorfreude auf den Text los lesen ließ. Allerdings wird keineswegs erklärt, wie Wettervorhersagen „berechnet“ werden, stattdessen verbarg sich dahinter die Geschichte der Wettererforschung.
  • Der zweite Teil ist mit „Beobachtung“ überschrieben, was für mich ebenfalls spannend klang. Doch es wird lediglich geschildert, wo sich überall Wetterstationen befinden, aber nicht warum die Stationen genau dort eingerichtet wurden. Immerhin erfahren wir, was aufgezeichnet wird.
  • Zum Thema „Simulation“ (Teil III) sind mir leider nur ausschweifende Beschreibungen der Örtlichkeiten und Supercomputer in Erinnerung geblieben und wie sich der Autor einen Kaffee holt… Erklärungen bleiben aus. Immer wieder wird vom weltbesten Wettermodell gesprochen, dass es von Wissenschaftlern stetig verbessert wird und wie genau die Vorhersage klappt, doch WIE es funktioniert, will mir Andrew Blum einfach nicht verraten. Überrascht wurde ich weniger von der Darstellung, dass Wissenschaftler weltweit arbeitsteilig zusammenarbeiten (müssen), sondern vielmehr vom Ausbleiben der Erklärung, wie sich diese Bereiche zu einer Wettervorhersage zusammensetzen. Denn genau das wollte ich eigentlich wissen…
  • Teil IV „Bewahrung“ ist kurz. Es geht um Diplomatie bei der zwischenstaatlichen Kooperation und die Gefahr von Privatisierung.

Der Autor spricht davon, „es“ verstehen zu wollen. Verflixt, das will ich doch auch! Aber er hat anscheinend ein anderes „es“ im Sinn.

Ich komme nicht umhin, mich zu fragen (Na, wer von euch hat die Anspielung auf Carries Kolumne, verstanden?), ob es geholfen hätte, wenn der Autor anfangs kurz sein methodisches Vorgehen beschrieben hätte. Dann hätte ich zumindest gleich die Enttäuschung als solche verbuchen können, statt vor jedem neuen Kapitel zu hoffen, dass das, was ich wissen will, wird schon noch erklärt wird.

Ein Wort zum Schreibstil

Nüchtern.

Verwendete Fachbegriffe werden nicht immer erklärt (Anemometer musste ich erstmal googeln).

Fazit

Ich habe die Geschichte der Wettererforschung dargelegt bekommen, einen Überblick darüber, wo Wetterdaten gesammelt werden sowie die nicht wirklich überraschende Erkenntnis, dass Meteorologie global ist und einer grundsätzlichen Zusammenarbeit bedarf.

Wer sich für diese Themen interessiert wird mit dem Buch zufrieden sein.

Ich habe stattdessen erwartet, dass bspw. erläutert wird, wie Stürme, Dürren und Überschwemmungen entstehen, von welchen Variablen sie abhängen und anhand welcher Daten und Beobachtungen sie vorhergesagt werden können. Kurzum hätte mich einfach viel mehr interessiert, wie das Wetter funktioniert und Wettervorhersagen aus den gesammelten Daten (mit Erklärungen, warum sie wo und wie erhoben werden) mittels eines, in der Art einer Sendung mit der Maus erläuterten, Wettermodels entstehen.

Daher ist mein Fazit dieses Mal: Augen auf beim Bücherkauf (oder in meinem Fall bei der Anfrage ans Bloggerportal)!

Vielleicht werde ich es mit etwas Abstand und ohne jegliche Erwartungshaltung nochmal lesen und überrascht?

Ein positiver Schlussaspekt

Es gibt am Ende ein großes Quellenverzeichnis und vielleicht finde ich dort ja die Lektüre, die ich eigentlich gesucht habe.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinträchtigt in keiner Weise meine Bewertung.

Infos

Titel: Die Wettermacher – Wie Wetterberichte entstehen und was sie vorhersagen können

Autor: Andrew Blum

Übersetzung: Stephan Gebauer

Verlag und Copyright: Penguin Verlag

Seitenzahl: 240

Erscheinungsdatum: 11. November 2020

Preis: 22 € (gebunden)

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