Erwachsene Menschen von Marie Aubert

Mit „Erwachsene Menschen“ hatte ich mir einen Roman erhofft, der sich damit auseinandersetzt, wie in der heutigen Gesellschaft mit kinderlosen Menschen umgegangen wird – ein Thema, das mich persönlich besonders interessiert. Leider haben sich meine Erwartungen in diesem Fall nicht erfüllt. Der Klappentext hat mich etwas in die Irre geführt, daher nachfolgend die weit treffender formulierte

Inhaltsangabe des Verlags

«Erwachsene Menschen» ist ein Sommer- und ein Familienroman, eine Geschichte über die Rivalität zwischen Schwestern, Torschlusspanik und unerfülltem Kinderwunsch. Es erzählt von jenen, die wir am meisten lieben – und dem, was wir ihnen antun, wenn wir nicht kriegen, was wir wollen.
Ida ist Architektin, kinderlos und in der Blüte ihrer Jahre, aber «die Uhr tickt». Sie hat schon begonnen, die Möglichkeit «etwas einzufrieren» in Betracht zu ziehen. Für später. Wirklich, nur zur Sicherheit. Falls sie doch noch den Richtigen trifft und der auch Kinder will. Aber jetzt ist erstmal Sommer. Ida und ihre Familie – ihre Mutter, deren Lebensgefährte, Idas Schwester Marthe mit Mann und Stieftochter – treffen sich in ihrem Sommerhaus vor der Küste, um Mutters Geburtstag zu feiern und ein paar schöne, gemeinsame Tage zu haben. In dieses Idyll platzt Marthe mit einer phantastischen Nachricht: Sie ist schwanger, nach Jahren erfolgloser Versuche, und so glücklich. Wenig später eröffnet die Klinik in Göteborg Ida telefonisch, sie sei für eine Eizellenentnahme leider «zu spät» dran. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Marthe Ida ihr Familienglück unter die Nase reibt, zerplatzt deren Traum.
Enttäuscht und verletzt fängt Ida an, Marthes Idyll zu untergraben…

Meine Meinung

Statt eines Romans über die „K-Frage“ einer vierzigjährigen Single-Frau, die gleichzeitig erfährt, dass sie höchst wahrscheinlich den Zeitpunkt für eine Schwangerschaft verpasst hat, während es bei ihrer jüngeren Schwester endlich geklappt hat, beschäftigt sich die Handlung eigentlich „nur“ mit der toxischen Beziehung, die sie zueinander haben; konkret, dass sie sich gegenseitig nichts gönnen können.

Gemeinsam gehört ihnen ein Ferienhaus an der Küste Skandinaviens, in dem sie alle anlässlich des Geburtstags ihrer Mutter zusammenkommen. Alle, das sind:

  • Die Protagonistin Ida,
  • ihre jüngere Schwester Marthe mit Mann Kristoffer und Stieftochter Olea sowie
  • ihre Mutter mit ihrem zweiten Ehemann.

Kein einziger Charakter hat es geschafft, mich für ihn einzunehmen – das schließt auch Olea mit ein.

Marthe war für mich die unsympathischste Figur, frei von jeglicher Empathie und mit einem Verhalten, so unerträglich egoistisch, dass ich das Buch beinahe abgebrochen hätte.

Ihre Mutter fällt voll auf diese Masche rein und so wird ihre Schwester seit der Kindheit immer wieder dazu aufgefordert, auf die arme Marthe Rücksicht zu nehmen, sich zu entschuldigen etc.

Ida wiederum flüchtet sich in hinterhältige Rachegelüste und will Kristoffer und Olea gegen Marthe auszuspielen, indem sie versucht, bei ersterem zu landen und sich bei letzterer beliebter zu machen, als es ihre Schwester ist.

Und, was soll ich sagen: That’s it – mehr gibt es nicht… Der Schluss birgt vielleicht einen kleinen Triumpf für Ida, aber die Geschichte endet so unspektakulär wie der Rest des Romans.

Positiv waren für mich eigentlich nur der locker-leichte Sprachstil und das aufkommende Sommerfeeling.

Fazit

Die Idee hinter diesem kurzen Roman ist vermutlich der psychologisch durchaus spannende Einblick in eine (leider) authentisch gezeichnete Familiensituation, wie sie überall vorkommen könnte. Das Buch liest sich wie ein Kammerspiel familiärer Grausamkeiten, die sich hinter Banalitäten verstecken. Und wir sitzen im Sommer am Strand und lassen den Wind die Geschichte zu uns hinüber tragen.

Für mich trotzdem keine empfehlenswerte Lektüre.

Bibliografie

Titel: Erwachsene Menschen
Autorin: Marie Aubert
Übersetzt von: Ursel Allenstein
Verlag und Copyright: Rowohlt Buchverlag
Seitenzahl: 176
Erscheinungstermin: 21. April 2021
Preis: 12€ (Taschenbuch)

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