Falling fast von Bianca Iosivoni

Eigentlich würde ich diese Rezension gerne mit einem „Hach, dieser Roman war so schön“ beginnen. Aber rückblickend angesichts der Grundidee und des Cliffhängers, erscheint mir das einfach nicht angemessen. Von daher sage ich nur: Dieser Jugendroman hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Vom Cover her hätte ich jedoch vermutlich nicht zu diesem Roman gegriffen, ich hatte ihn nur auf verschiedenen Blogs und Social Media Kanälen entdeckt, als der zweite Teil „Flying high“ rauskam. Das pastellige Lila und die Goldtöne sind zwar ganz stimmig und hübsch, aber umgehauen hat es mich nicht.

Ganz anders die Geschichte: sie wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren Hailee und Chase erzählt. Die eher introvertierte Hailee unternimmt einen Sommer lang alleine einen Roadtrip quer durch die USA, um ihrer Schwester Katie zu beweisen, dass auch sie mutig sein kann. Ohne Rücksicht auf Konsequenzen macht sie alles, was sie sich früher nie getraut hätte. Am Geburtstag ihres vor kurzem verstorbenen besten Freundes Jesper, den sie jedoch noch nie persönlich getroffen hat, verschlägt es sie in seine Heimatstadt Fairwood. Dort lernt sie Chase kennen, angeblich Jespers bester Freund. Beide fühlen sich augenblicklich zueinander hingezogen, doch kann Hailee Chase verzeihen, dass er Jesper im Stich gelassen hat? Da ihr Auto den Geist aufgibt, bleibt sie länger in diesem Städtchen, als ihr lieb ist und mit jedem Tag fällt es ihr schwerer, ihren ursprünglichen Plan, sich mit Katie zu treffen, in die Tat umzusetzen. Kommt Chase noch rechtzeitig hinter Hailees dunkles Geheimnis?

Ich hatte schon beim Lesen das Gefühl, dass da etwas zwischen den Zeilen geschrieben steht und im Hintergrund der Geschichte mitschwingt, was aber so dramatisch wäre, dass ich es nicht ganz wahr haben wollte. Das hört sich jetzt bestimmt total kryptisch an, aber alles, was mehr ins Detail ginge, wäre gespoilert.

Ehrlich Leute, diese Rezension ist unglaublich schwer, da jedes Wort zu viel ein Spoiler wäre (erinnert mich etwas an den Film „The sixt sense“).

Inhaltlich erinnert mich dieses Buch an den ebenfalls sehr guten Roman „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner.

Das Buch lebt jedoch nicht nur von der rückblickend sehr tragischen Geschichte, sondern auch von der Beschreibung Fairwoods und den sehr detailliert ausgearbeiteten und sympathischen Charakteren. Ich bin ja ein großer Fan von amerikanischen Kleinstadtgeschichten; gäbe es Stars Hollow oder Rocky Beach tatsächlich, ich wäre sicher schon dort gewesen.

Hailee hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Allerdings konnte ich ihre Figur nie besonders gut greifen, was sie aber umso authentischer wirken lässt. Und wer würde Chase nicht mögen? So ein netter Hauptcharakter ist eine mir sehr willkommene Abwechslung zu den üblichen Bad Boys.

Überzeugt hat mich auch die Idee, Jespers Geschichte als Aufhänger und Bindeglied, nicht nur für Beziehung zwischen Hailee und Chase zu nehmen.

Einen negativen Punkt zum Sprach- oder Erzählstil muss ich aber doch noch loswerden:
Was ist das in letzter Zeit mit dem „Ich verschränkte meine Finger mit seinen“ oder „Er griff nach ihrer Hand und verschränkte seine Finger mit ihren.“ Das ist mir schon bei der kleinen Bäckerei in Brooklyn aufgefallen. Gibt es Textbausteine für Autorinnen und Autoren? Und ist dieser gerade unter den Top drei?

Fazit: „Carpe Diem“

Falling fast ist ein Buch, bei dem unbeschwerte Leichtigkeit, Verlust und Trauer Hand in Hand gehen. Eben wie auch im echten Leben. De Geschichte ist einfühlsam geschrieben und das Faszinierende daran war, wie sich auf den letzten Seiten alle Vermutungen und Befürchtungen bewahrheiten, die sich auf 450 Seiten aufgebaut haben. Das, was man nicht glauben wollte, aber zwischen den Zeilen permanent präsent war, wird einem plötzlich vor Augen geführt und alles ergibt auf einmal einen Sinn. Auch, dass es keine reine Liebesgeschichte ist…

Sehr verantwortungsvoll und gut finde ich die Trigger Warnung am Ende des Buches für die Fortsetzung und die Verweise auf die Beratungsstellen, die Hilfe anbieten. Daher auch von mir auch noch einmal der Hinweis – nicht nur an alle Jugendlichen: Da dieses Buch mit einem heftigen, wenngleich hoffnungsvollen Cliffhänger endet und die Fortsetzung wohl echt starker Tobak wird, solltet ihr nur mit dem Lesen beginnen, wenn es euch gut geht und ihr mit beiden Beinen fest im Leben steht, kurzum: ihr psychisch stabil seid. Dennoch bin ich mir unsicher, ab welchem Alter dieses Buch wirklich geeignet ist. Gibt es eigentlich eine FSK für Bücher?

Was ich persönlich aus diesem Buch mitnehme, ist der Vorsatz spontaner und mutiger zu sein, also sich einfach mal was zu trauen. Zu oft zerdenke oder zerplane ich Dinge in meinem perfektionistischen Anspruch und vergesse dabei das „einfach mal machen und den Moment genießen“. Aber man hat nur ein Leben und niemand weiß, wie viel Zeit uns noch auf diesem wunderschönen blauen Planeten vergönnt ist.
In diesem Sinne: „Seid mutig!“

Infos

Titel: Falling fast

Autorin: Bianca Iosivoni

Verlag: LYX

Copyright: Bastei-Lübbe AG

Coverabbildung Copyright: FinePic/shutterstock

Seitenanzahl: 460

Preis: 12,90 € Paperback

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