Flying high von Bianca Iosivoni


Die Geschichte um Hailee und Chase geht weiter (Achtung: Spoiler zu Falling fast!). Der Anfang der Fortsetzung hatte für mich jedoch einige Längen, die sich glücklicherweise nach ca. 50 Seiten wieder auflösen. Das nichts mehr so ist – so sein kann – wie vor ihrem Selbstmordversuch, ist natürlich einleuchtend, aber gerade aus diesem Grund, war ich unglaublich gespannt darauf zu lesen, wie die Autorin diese Liebesgeschichte angesichts dieser unverrückbaren Wahrheit weiterspinnen würde. Ausgesprochen einfühlsam beschreibt Bianca Iosivoni den schweren Weg, der vor Hailee liegt. Da der Roman wieder aus Hailees und Chase‘ Perspektive erzählt wird, bekommt man auch einen Eindruck davon, was ein solches Ereignis mit den nahestehenden Personen anstellt und dass auch für sie nichts mehr so ist wie zuvor: sie ihr Verhalten ändern und Entscheidungen treffen oder akzeptieren müssen, die völlig im Gegensatz zu ihren Gefühlen stehen.

Werden Hailee und Chase dieses schwerwiegende Trauma überstehen und wieder zueinanderfinden? Ist Liebe allein genug?

Beeindruckt war ich von der Entwicklung Hailees Charakters. Ihr Plan sah von Anfang an vor, Chase zu verlassen. Beim Lesen konnte ich immer wieder ihre innere Zerrissenheit zwischen Trauer, Liebe und Glück spüren. Ebenso wie die fehlende Kraft, für ihre eigenen Wünsche und Ziele einzustehen bzw. diese erst einmal erkennen zu können. Ihre daraus resultierende Resignation, das Einverständnis, andere für sich entscheiden zu lassen und ihr Leben vollkommen in deren Hände zu legen, rief bei mir immer wieder den Wunsch hervor, sie zu schütteln, um sie aufzuwecken. Insbesondere diese Machtlosigkeit der Außenstehenden hat mich – noch mehr als nach dem Ende des ersten Teils – an den Roman „Mängelexemplar“ von Sarah Kuttner erinnert.

Die Figur von Chase überzeugt mich auch weiterhin. Seine Charakterstärke ist beeindruckend. Die Bereitschaft, seine große Liebe gehen zu lassen und ihr nur das Beste zu wünschen, auch wenn das ein Leben ohne die bzw. den jeweils anderen bedeutet, finde ich gerade in dem jungen Alter bemerkenswert, vielleicht aber auch etwas unrealistisch. Solche Verhaltensweisen hätte ich eher von Hailees Eltern erwartet. Dennoch fand ich ihre Charaktere authentisch. Sie sind nur ein Beispiel dafür, mit wieviel Liebe zum Detail auch die Nebenfiguren ausgearbeitet sind. Ganz besonders hat es mir Chase Cousine Lexi angetan.

Wieder in Fairwood zu sein, war natürlich auch toll. Ich liebe ja Geschichten, die in amerikanischen Kleinstädten spielen, wo jeder jeden kennt. Schon nachdem ersten Band hatte ich das Gefühl, als wäre ich selbst schon einmal dort gewesen.

Das Cover passt natürlich zum ersten Band, haut mich aber ebensowenig vom Hocker…

Besonders gefreut hat mich – an beiden Romanen – dass sie weitestgehend ohne Äußerlichkeiten auskommen, den Kontrast des Kleidungsstils von Hailee alt versus Hailee neu mal ausgenommen.

Fazit

Nach dem die Anfangslänge überwunden war, ein ausgesprochen guter Jugendroman, den man gemeinsam mit Falling fast nur empfehlen kann.

Wie im ersten Teil gibt es auch hier eine Trigger Warnung am Ende des Buches sowie Verweise auf die Beratungsstellen, die Hilfe anbieten. Denn die Inhalte sind schon echt hart. Daher auch von mir auch noch einmal der Hinweis – nicht nur an alle Jugendlichen: Da dieses Buch vom Inhalt her noch heftiger ist als Band I, solltet ihr nur mit dem Lesen beginnen, wenn es euch gut geht und ihr mit beiden Beinen fest im Leben steht, kurzum: ihr psychisch stabil seid.

Weiterhin bin ich mir aber unsicher, ab welchem Alter diese Dilogie wirklich geeignet ist.

Infos

Titel: Flying high

Autorin: Bianca Iosivoni

Verlag: LYX

Copyright: Bastei Lübbe AG

Coverabbildung Copyright: FinePic/shutterstock

Seitenzahl: 432

Preis: 12,90 € (Paperback)

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