Nachtblau von Simone van der Vlugt

Ein klarer Fall von falschen Erwartungen und Coververführung…
Aber der Teller passt doch toll oder?

Inhaltsangabe des Verlags

Die junge Haushälterin Catrijn ist begeistert, als sie mit ihrer Dienstherrin den großen Rembrandt besuchen darf. Sie selbst kann gut malen, übt ihr Talent aber nur heimlich aus. Als die Schatten der Vergangenheit sie einholen und sie fliehen muss, findet sie Unterschlupf bei dem Besitzer einer Porzellanfabrik in Delft. Zusammen mit Evert beginnt sie, die faszinierende Keramik zu verzieren, die sich weltweit einen Namen machen wird: Das Delfter Porzellan. Doch das Glück mit der nachtblauen Farbe ist nur von kurzer Dauer. Catrijn weiß, dass sie für eine vergangene Sünde zahlen muss.

Meine Meinung

Ich hatte eigentlich gehofft, dass sich die Handlung mehr um die Entstehungsgeschichte des Delfter Porzellans oder – wie ich im Nachwort erfahren habe – um das Delfter Blau dreht. Doch bis Catrijn zur Keramikwerkstatt kommt, ist schon fast die Hälfte des Romans um. Und dann dient es lediglich als Kulisse, nicht als Handlung.

Daher würde ich „Nachtblau“ weniger als historischen Roman oder Liebesgeschichte bezeichnen, sondern vielmehr als Thriller, in dem eine Frau ihren gewalttätigen Mann erstickt, es jedoch als natürlichen Tod in Folge übermäßigem Alkoholkonsums verkaufen kann und davonkommt. Aber sie wurde bei der Tat beobachtet, damit erpresst und flieht.

Zu den Figuren bekam ich keinen Zugang. Catrijn hat kurz nacheinander drei (Ehe-)Männer. Wie schnell sie ihren jeweiligen Liebsten vergessen und sich neu verlieben kann, macht sie in meinen Augen etwas unglaubwürdig. Aber vielleicht war das auch früher einfach so.

Ehemann Nr. 1 entwickelt sich zum Fiesling, bleibt aber wie seine Nachfolger Evert und Mathias blass. Einzig Jacob ist zeigt etwas Komplexität in seinem Charakter und so habe ich ihn bis zum Schluss nicht durchschauen können.

Was mir aber gefallen hat, war die bildhafte Atmosphäre des Schauplatzes und auch, wie Rembrandt und Vermeer eingearbeitet wurden. Es ist auch nicht so, dass die historische Stimmung der damaligen Zeit nicht rüberkam (zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts): Doch Fehlgeburten, Tod im Kindsbett, Pandemien, Hygienezustände, etc. waren immer nur Requisite. Dabei hätte das Thema in meinen Augen wirklich mehr Potenzial gehabt, bspw. hätte man viel stärker ausarbeiten können, gegen welche Hindernisse Frauen damals kämpfen mussten, um als Malerin tätig werden zu dürfen.

Fazit

Das letzte Drittel habe ich nur noch überflogen – immer ein schlechtes Zeichen. Auch wenn die Lektüre kein totaler Reinfall war, bin ich mir sicher, dass es bessere Bücher zu dem Thema gibt.

Bibliografie

Titel: Nachtblau
Autorin: Simone van der Vlugt
Übersetzung: Eva Schweikart
Verlag und Copyright: HarperCollins
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 10. Juli 2017
Preis: 14 € (Taschenbuch)

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