Perfect Day von Romy Hausmann

Ich gebe zu, als mir meine Nichte diese Autorin empfohlen hat, war ich etwas skeptisch. Denn seit der Hulda-Reihe hatte ich keinen guten Thriller mehr gelesen. Ich war sogar schon so weit zu sagen, dass dieses Genre nichts mehr für mich ist. Doch wie sagt man so schön: „Errare humanum est.“

Klappentext

Die Macht der Gefühle kann tröstlich sein. Oder tödlich.
Meine kleine Prinzessin. So allein. Du zitterst ja, du armes Ding. Komm mit mir, hab‘ keine Angst. Bei mir bist du sicher. Ich bringe dich an einen geheimen Ort, mein Herz, aber vorher müssen wir hier im Wald noch ein paar rote Schleifen verteilen, schau…
Seit Jahren verschwinden Mädchen. Rote Schleifen weisen den Weg zu ihren Leichen, der Täter ist unbekannt – bis eines Abends ein berühmter Philosophieprofessor wegen Mordverdachts verhaftet wird…

Meine Meinung

Der Aufbau des Buches ist genial. Die Geschichte wird in erster Linie aus der Sicht von Ann, der Tochter des Mutmaßlichen Serienkillers, erzählt. Dadurch bekommen wir auch ihre Gedanken und Gefühle mit. Ergänzt wird ihre Perspektive durch eine Art Wörterbuch, in das sie seit sie Lesen kann Erklärungen zu den verschiedensten Begriffen einträgt. Durchbrochen wird ihre Erzählung darüber hinaus zum einen durch Einblicke in den Geist einer scheinbar psychisch kranken Person und zum anderen durch Auszüge eines Interviews mit dem bzw. der Mörder:in. Beide Identitäten – oder ist es ein und dieselbe? – werden uns natürlich erst auf den letzten Seiten offenbart.

Diese vier Bausteine machen einen großen Teil des Reizes dieses Buches aus, denn Romy Hausmann kombiniert sie raffiniert zu einer unfassbar spannenden Mörder:innenjagd. Vor allem, weil uns die Autorin bis zum Schluss im Unklaren darüber lässt, ob es nicht vielleicht doch auch der Vater von Ann gewesen sein könnte. Ich hatte zwar relativ früh einen Verdacht, der sich schlussendlich auch bestätigte, aber durch die Perspektivenwechsel warf ich meine Theorien doch immer wieder über den Haufen – das war zwar frustrierend, übte aber gleichzeitig einen richtigen Sog auf mich aus, weiterzulesen.
Die Auflösung war dann erschreckend logisch.

Der Plot gefällt mir ebenfalls, auch wenn mehr die menschlichen Sicht- und Verhaltensweisen im Fokus stehen.

Charaktere

Eine solche Geschichte aus dem Blickwinkel des Kindes eines mutmaßlichen Mörders darzustellen, finde ich grandios. Vater-Tochter-Beziehungen sind ja i.d.R. etwas ganz Besonderes. Er ist unser Held, unser Fels in der Brandung. Kaum vorstellbar also, wenn unser Bild nicht von allen geteilt wird. Unsere Protagonistin Ann ist eine komplexe Figur mit authentischen Stärken und Schwächen. Ich kann mir gut vorstellen, sie mal auf dem Campus getroffen oder im Restaurant einen Burger bei ihr bestellt zu haben. Selbstverständlich ist sie von der Unschuld ihres Vaters überzeugt. Doch um diese zu beweisen, muss ein anderer Täter her. Sie verbeißt sich in eine Theorie, sieht nur, was sie sehen will und biegt sich alles so zurecht, dass es zu dem von ihr erstellten Profil passt. Und so ist man als Leser:in hin- und hergerissen. Durch die Sympathie, die man der Protagonistin entgegenbringt, möchte man sich ihren Schlussfolgerungen anschließen, aber betrachtet man die Sache objektiv, erkennt man ihren Tunnelblick. Nichts desto trotz könnte sie mit ihren Vermutungen richtig liegen.

Die Autorin nutzt ihren Charakter, um auf gespenstige Weise zu verdeutlichen, wie uns Gefühle und Beziehungen zu anderen Menschen in die Irre führen und auf den falschen Weg bringen können. Außerdem zeigt sie an den Eltern der bisherigen Opfer, auf wie viele verschiedene Arten ein solches Ereignis Leben zerstören kann.

Es gibt noch einige weitere Charaktere, wie bspw. ihren „Onkel“ (bester Freund des Vaters) Ludwig. Der Anwalt ist zwar schon pensioniert, übernimmt aber dennoch die Verteidigung ihres Vaters.

Auf der Suche nach Beweisen für die Unschuld ihres Vaters findet Ann zunächst Unterstützung in einer alten Freundin und später eher unfreiwillig in der Figur von Jacob.

Die angedeutete Liebesbeziehung mit Zoe hätte hingegen nicht sein müssen.

Der Schreibstil

… ist perfekt. Anders kann ich es nicht sagen. Durch die Vierteilung wird eine Spannung erzeugt, wie ich sie noch nicht kannte. Dazu ist der Roman in einer Sprache verfasst, die man in schnellem Tempo lesen kann. Dabei meine ich nicht, dass es rasant, i.S.v. Actionreich geschrieben ist. Vielmehr wird die Handlung schnell vorangetrieben, und sei es nur in der Gedankenwelt der Figuren. Es gibt also keine Längen. „Fesselnd“ trifft die Schreibweise wohl am besten und daher will man allem einfach möglichst schnell folgen.

Brutal wird es nur an einigen wenigen Stellen und so richtig fies Psycho geht es auch nicht zu. Alles ist gut aushaltbar. Der Schauer, der uns Leser:innen immer wieder über den Rücken läuft, kommt vielmehr aus der Erkenntnis, wozu wir Menschen fähig sind, wenn uns die Situation scheinbar keinen anderen Ausweg lässt.

Ein Wort zur Gestaltung

Wieso haben Thriller eigentlich oft die schönsten Cover?

Fazit

Ein rundum gelungener Roman und insbesondere psychologisch betrachtet, eine unfassbar gute Geschichte. Ich bin wirklich begeistert. Kein Wunder, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.

kostenloses Rezensionsexemplar

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar von Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Titel: Perfect Day
Autorin: Romy Hausmann
Verlag und Copyright: dtv
Seitenzahl: 416
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2022
Preis: 16,95 € (Klappenbroschur)

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