The Wonderful Wild von Gesa Neitzel

Ich habe mich sooo gefreut, als ich erfahren habe, dass es ein neues Buch von Gesa Neitzel gibt. Denn ich LIEBE, LIEBE, LIEBE ihr erstes Buch „Frühstück mit Elefanten“. Seitdem ich es gelesen habe, arbeite ich daran, meinen Mann davon zu überzeugen, dass wir unbedingt mal nach Afrika müssen. Die Reiseroute habe ich auch schon vor Augen: Erst einmal Kapstadt und ein paar Tage in die Weinberge von Stellenbosch, dann nach Botswana auf eine Safari (und eben nicht in den Krüger-Nationalpark…) und dann noch eine Woche auf Sansibar erholen.

Dieses Mal beschreibt die Autorin aber nicht ihren Weg zur Rangerin in Afrika, sondern versucht das dabei erlebte zu abstrahieren und auf den ganz „normalen“ Alltag anzuwenden. Dabei ermuntert sie uns insbesondere, wieder mehr auf unsere Intuition zu vertrauen, besser gesagt, auf unseren inneren Elefanten zu hören. Ich habe ein wenig eine afrikanische Variation von John Streleckys „Das Café am Rande der Welt“ erwartet.

Das ist es jedoch nicht. Zwar geht es auch um den Sinn des Lebens und darum, den eigenen Weg zum Glück zu finden; anders als ihr Autorenkollege geht Gesa Neitzel aber bspw. nicht davon aus, dass es zwangsläufig erstrebenswert ist, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen; vielmehr aber darüber nachzudenken, welcher Beruf genügend Zeit für die Leidenschaft ermöglicht.

Die erste Hälfte des Buches widmet sich daher der Leserin selbst und wie sie zu ihrem Glück finden kann. Denn nur wer selbst glücklich ist, kann andere glücklich machen und letztendlich auch den Planeten; so die Idee. Das führt uns zum zweiten Teil, der sich auf die ganze (Um-)Welt bezieht und was jede Einzelne dafür tun kann, wieder im Einklang mit ihr zu leben, sei es auch nur ein ganz kleiner Beitrag.

Am Anfang steht die Theorie, dass es der jungen Generation angesichts der unzähligen Möglichkeiten schwer fällt, die eigene Bestimmung zu finden. Dabei nimmt die Autorin immer sich selbst als Beispiel. Das Buch gibt eine Art Anleitung in sieben Schritten, die ihr selbst auf dem Weg zu mehr Lebensfreude geholfen haben; wie bspw. der eigenen Neugier zu folgen, sich auf das Ziel zu fokussieren und in Gedanken durchzuspielen, wie es wäre, das Ziel schon erreicht zu haben.

Da sich Gesa Neitzel auf ihre Erfahrungen in Afrika bezieht, erzählt sie bspw. vom Fehlschlag ihres Versuchs, mit den männlichen Safari-Guides mitzuhalten. Nach und nach erkannte sie, dass es gar keinen Sinn macht, genau wie sie werden zu wollen. Stattdessen findet sie Stärken in ihrer Weiblichkeit und das führt sie zum Erfolg. Ungewöhnlich, wenngleich interessant fand ich in dem Zusammenhang auch ihre Aussagen zu den Menstruationszyklen und Mondphasen sowie die Idee, daran seine Tätigkeiten auszurichten. Das werde ich vielleicht sogar mal ausprobieren.

Mit Freude las ich im zweiten Teil des Buches einen Abschnitt, in dem sie den Unsinn anprangert, gute Menschen müssten perfekt sein. Freuen wir uns doch, wenn jemand ein bisschen Gutes tut, also bspw. mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, aber ansonsten eher „normal“ ist, also bspw. trotzdem mal in den Urlaub fliegt. Warum muss alles auch schwarz und weiß sein? Etwas im Widerspruch dazu entstand allerdings ein durchaus unbehagliches Gefühl beim wiederholten Lesen, die Autorin und einige Bezugspersonen ernähren sich vollständig vegan. Vielleicht gerade in Kombination mit der häufigen Beteuerung, jede könne so leben, wie sie möchte, hatte es leider etwas Belehrendes.

Dennoch enthält das Buch gerade vor diesem Hintergrund eine für mich ganz essentielle Frage:

Erlauben wir einander überhaupt, Gutes zu tun? Oder bremsen wir uns nicht vielmehr gegenseitig aus, indem wir von guten Menschen Perfektionismus erwarten?“

Gesa Neitzel (2019): The Wonderful Wild, S. 169

Zur Verdeutlichung ihrer Ansichten findet die Autorin sehr schöne Analogien. Sie spricht vom Gleichgewicht, vom Circle of Life und baut tolle Verweise auf Passagen aus Herr der Ringe oder Game of Thrones ein. Im Anhang findet sich ein wahrer Schatz an weiteren Literatur- und Filmquellen. Vom Buch Ismael bspw. habe ich auch schon gehört. Aufgrund der hier verwandten Zitate werde ich es mir jetzt aber definitiv mal besorgen.

Besonders gefallen haben mir natürlich die stetigen Bezüge zur afrikanischen Tierwelt, deren Sozialstrukturen und was wir Menschen von ihnen lernen können. Das Buch enthält wirklich viele interessante Hintergrundinformationen zu Ökosystem, Tieren und Pflanzen Afrikas. Mein Wunsch diesen faszinierenden Kontinent einmal besuchen zu dürfen, ist also wieder ein Stück stärker geworden.

Selbstverständlich war das Cover auch wieder voll meins: Gedeckte Farben, dazu die tolle Färbung des Himmels, und Gesa im schrägen Profil. Hat ein bisschen was von einem Instagram Post. Genauso gut gefiel mir der handschriftlich gestaltete Titel.

Der Schreibstil hat mir ja schon bei ihrem ersten Buch sehr gut gefallen. In diesem nutzt sie das vertrauliche „Du“ im Dialog mit der Leserin.

Und auch wenn ich die Idee von den kleinen Elefantensymbolen total nett finde, die dazu anhalten sollen, immer mal wieder innezuhalten, das Buch zur Seite zu legen, einen Tee zu trinken oder einen Spaziergang zu unternehmen, um das Gelesene zu reflektieren oder vielleicht darüber zu sprechen, konnte ich nicht umhin, das Buch innerhalb von zwei Tagen auszulesen. Zu meiner Verteidigung sei ergänzt, dass es auch nur knapp 240 Seiten hat.

Fazit

Um ehrlich zu sein, hätte ich Gesa Neitzel ein Buch mit solcher Tiefe gar nicht zugetraut, obwohl nicht wirklich sagen kann, warum. Da habe ich mich aber gehörig getäuscht!

Die sieben Schritte zu mehr Lebensglück sind vom Inhalt her zwar nicht neu (zumindest, wenn man schon einige Bücher zu dem Thema gelesen hat), aber ich kann mir vorstellen, dass sie insbesondere jungen Menschen durchaus helfen können, Ihren Weg zu finden.

Insgesamt steckt viel Wahres in Gesas Worten, Zeilen und Abschnitten. Wenngleich diese Wahrheiten anzuerkennen noch relativ einfach erscheint, so unglaublich wirkt die Möglichkeit, Änderungen in die Tat umzusetzen. Trotzdem habe ich mir nicht erst seit dieser Lektüre fest vorgenommen: öfter einfach mal machen.

Und auch wenn mir ihr erstes Buch ein Stückchen besser gefallen hat – was aber auch einfach an der Ausrichtung liegen könnte – fand ich dieses ebenso inspirierend.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Das Buch wurde mir von Vorablesen.de kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinträchtigt in keiner Weise meine Bewertung.

Infos

Titel: The Wonderful Wild

Autorin: Gesa Neitzel

Verlag: Ullstein

Seitenanzahl: 252

Preis: 15,99 € (Paperback)

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