What if we Drown von Sarah Sprinz

Ich habe dieses Buch ohne besondere Erwartungshaltung begonnen und wurde vielleicht gerade deshalb positiv überrascht. Auch wenn es um andere Themen geht, erinnert es ein wenig an „Falling fast“ von Bianca Iosivoni.

Klappentext

Sie möchte endlich nach vorne blicken. Er macht es ihr unmöglich.

Ein Neuanfang – das ist Lauries sehnlichster Wunsch, als sie nach dem tragischen Tod ihres Bruders an die Westküste Kanadas zieht. Noch vor der ersten Vorlesung ihres Medizinstudiums an der University of British Columbia lernt sie Sam kennen und spürt sofort, dass er sie auf eine nie gekannte Weise versteht. Unaufhaltsam schleicht sich der attraktive Jungmediziner in ihr Herz. Bis Laurie erkennt, wie tief er in die Ereignisse der Nacht verstrickt war, die ihren Bruder das Leben kostete…

Meine Meinung

Na gut, der Plot ist nicht wirklich neu und folgt einem schematischen Aufbau, was die Handlung etwas vorhersehbar macht. Das hat mich aber nicht wirklich gestört.

Und ich liebe ich das authentische Campus-Setting. An der realistisch beschriebenen Atmosphäre merkt man sofort den Studienhintergrund der Autorin. Man bekommt einen richtigen Einblick ins Medizinstudium! Der Roman verströmt also mächtig Grey’s Anatomy Vibes. Neben einigen anderen Bezügen zur Popkultur ist die Geschichte gespickt mit Verweisen auf die beliebten Serienärzt:innen aus Seattle. Auch wenn ich etwas anderes studiert habe, fühlte ich mich direkt in meine Uni-Zeit zurückversetzt.

Einzig Kanada als Schauplatz kam nicht wirklich rüber, d.h. es hätte auch in den USA spielen können.

Schreibstil

Die nicht ganz ausgereifte Sprache der jungen Autorin ist mein einziger Kritikpunkt am Buch. Dabei meine ich aber nicht etwa einen jugendlichen Stil, sondern vielmehr sowas wie dicht aufeinander folgende Wortwiederholungen oder holprige Beschreibungen pikanter Szenen.

Charaktere

Ich habe nie wieder so leicht und locker neue Leute kennen gelernt, wie im Studium. Und genau das hat die Autorin super eingefangen (auch wenn Kians Angebot nach 5 Sekunden, Lauries neue beste Freundin zu werden, vielleicht etwas übertrieben ist…).

In den Charakteren spiegelt sich die Trilogie-Idee wieder, d.h. neben den Protagonisten Laurie und Sam aus „What if we drown“ werden auch schon Amber und Emmet („What if we Stay“) sowie Hope und Scott eingeführt. Außerdem gibt es noch Kian und Teddie, die jedoch bereits eine Beziehung führen und keinen eigenen Band bekommen haben. Und zum ersten Mal kommt es mir nicht wie gewollt vor, ein lesbisches Pärchen dabei zu haben.

Am meisten erfährt man natürlich über Laurie und Sam, wobei man bei keiner Figur wirklichen Tiefgang erwarten darf (finde ich aber auch vollkommen o.k.). Aber man kann sich mit allen identifizieren.

Ich habe in einigen kritischen Rezensionen gelesen, dass Laurie Sam ohne Grund anlügt. Anfangs sah ich das genauso, aber dann lieferte die Autorin eine in meinen Augen plausible Begründung. Dass ein solches Verhalten falsch ist, steht außer Frage, aber ich kann nachvollziehen, was Laurie dazu getrieben hat. Diese Aktion ist ein gutes Beispiel dafür, wie authentisch Sarah Sprinz ihre Protagonistin angelegt hat.

Ziemlich traurig sind natürlich die Rückblicke auf Lauries Erlebnisse mit ihrem verstorbenen Bruder Austin.

Amber ist eine so richtige „best friends forever“ Figur, die immer und überall für Laurie da ist. Die Beziehung erscheint mir schon fast ein wenig zu einseitig. Natürlich hat Laurie einen großen Verlust zu verarbeiten, aber sie geht nicht im Mindesten auf Ambers Probleme ein…

Sams Charakter ist von der Sorte „zu gut für diese Welt“. Er versucht mit Schuldgefühlen fertig zu werden, was die Autorin ebenfalls sehr gut beschreibt.

Emmet und Hope sind die typischen Mitbewohner. Diese besondere Mischung aus Bekannten, Freunden und Geschwistern wurde sehr gut getroffen. Doch nicht nur die WG, auch das Haus liebe ich. Lauries Zimmer hatte ich direkt vor Augen.

Scott wird eigentlich nur in einem Nebensatz eingeführt. Vielleicht lockt hier das Geheimnisvolle, aber auf seine Geschichte bin ich am meisten gespannt.

Eine flippige Kommilitonin wie Kian gehört irgendwie zu jedem Studium und mit ihrer Freundin Teddy kommt das Thema Alkohol ins Spiel.

Daher Vorsicht Trigger

Darüber hinaus kommen im Roman Depression, Substanzmissbrauch, Tod und Trauerbewältigung vor (Es gibt eine entsprechende Warnung auf S. 391.).

Ich war von der sensiblen Herangehensweise der Autorin an diese Themen beeindruckt. So gibt es bspw. zum Thema Alkohol nur wenige, dafür aber umso eindrücklichere Szenen.

Allerdings wurde mir das Thema Gruppenzwang zu leichtfertig als nichtexistent weggewischt:

Wir sind nicht mehr in der Highschool. keiner wird versuchen, dich zu überreden.

Sarah Sprinz: What if we Drown, S. 85

Vielleicht wird man nicht direkt überredet, aber der unausgesprochene allgegenwärtige Druck, der bei Orientierungswochen auf Erstsemestern lastet, ist nicht zu unterschätzen.

Fazit

Alles in allem ist „What if we Drown“ eine unterhaltsame Young Adult Geschichte mit extrem authentischem Campusfeeling und einem Hauch Grey’s Anatomy.

Der Roman profitiert vom Hintergrundwissen der Autorin und behandelt wichtige aber nicht ganz leichte Themen anhand authentischer sympathischer Figuren. Wenig überraschend würde ich das Buch daher vor allem jungen Erwachsenen empfehlen. Aber auch Eltern kann dieses Genre helfen, einen unverfälschten Einblick in die Gedankenwelt nachfolgender Generationen zu erhalten. Sie sollten dabei aber nicht vergessen, an welche Zielgruppe sich das Buch richtet.

Bibliografie

Titel: What if we Drown
Autorin: Sarah Sprinz
Verlag und Copyright: LYX
Seitenzahl: 390
Erscheinungsdatum: 30. Oktober 2020
Preis: 12,90€ (Paperback)

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