Bardolino Criminale von Gudrun Grägel

Als ich dieses Buch kurz vor meinem Urlaub am Gardasee in meiner Lieblingsbuchhandlung entdeckt habe, dachte ich mir: „Don’t judge a book by its cover“ und nahm es mit. Denn ehrlich gesagt, finde ich das Cover fürchterlich. Es sieht aus wie die Fotos, die ich Ende der 80er am Gardasee geschossen habe. Neu kann das Bild jedenfalls nicht sein: Die Palme steht da schon längst nicht mehr und auch Laternen und Bänke wurde bereits vor Jahren modernisiert…

Aber egal, zu sehr wollte ich mich mit dem Buch an den Hafen setzen und den Lokalkolorit á la Pierre Martin oder Alexander Oetker literarisch und real genießen. Doch ganz so hat das leider nicht geklappt…

Klappentext

Worauf hat sie sich da nur eingelassen? Doro Ritter ist auf dem Weg ins wunderschöne Bardolino am Gardasee. Über die Aufgabe, die sie dort erwartet, ist die Gourmetköchin aus München allerdings alles andere als begeistert. Ihr Vater hat sie dazu überredet, als Undercover-Detektivin auf dem Weingut der Buccellis zu ermitteln. Der Hausherr Enzo leidet darunter, dass sich seine Frau Paola seit geraumer Zeit sehr seltsam verhält. Doro soll herausfinden, was dahintersteckt. Bei ihren Nachforschungen macht sie sich keine Freunde, bis schließlich sogar ein Mord geschieht …

Meine Meinung

Auch wenn ich den Krimi ganz gern gelesen habe, war es mir leider viel zu wenig Bardolino-Feeling (und ich war wie gesagt vor Ort!). Cristallo, den Anleger und einige Nachbarorte zu erwähnen, reicht dafür in meinen Augen einfach nicht aus. Vielleicht ist das Buch aber auch nur nichts für Insider, die jedes Jahr nach Bardolino fahren und die Orte und das Hinterland wie ihre Westentasche kennen.

Mein größtes Problem war daher auch die fehlende Authentizität, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht.

Die Protagonistin soll Spitzenköchin sein, was mir als Grundidee sehr gefällt. Doch anders als bspw. bei Charlotte, der Lebensgefährtin (mittlerer Weile Verlobten) von Pierre Durand (Sophie Bonnet), hört sich das bei Doro Ritter irgendwie nicht nach Sterneküche an.

Kleiner Exkurs: Habt ihr schon einmal Nodo d’amore versucht? Die Kunst dieser perfekt zubereiteten Tortellini liegt nämlich nicht im Rezept, sondern im Handwerk: Nur hauchdünn ausgerollter Teig ermöglicht die perfekte Balance zwischen Nudel und Füllung.

Dass Essen in dem Roman eine größere Rolle spielt, finde ich prinzipiell ebenfalls großartig. Doch in diesem Fall stören mich die Rezeptartigen Beschreibungen, wenn Doro Speisen zubereitet, im Lesefluss. Insgesamt fand ich den sehr einfach gehaltenen Sprachstil gewöhnungsbedürftig. Bei mir kam nie wirklich Atmosphäre auf.

Außerdem habe ich den für Bardolino typischen Chiaretto (Roséwein) vermisst. Aber vielleicht hat das mit der Jahreszeit zu tun, der Roman spielt nämlich im November.

Für mich gibt es daher zahlreiche andere Cosy Crime Reihen, in denen die kulinarische Untermalung weit besser gelungen ist (Commissario Brunetti von Donna Leon oder Commissario Montalbano von Andrea Camilleri, um nur zwei zu nennen).

Zurück zu den Figuren: Sie bleiben alles in allem sehr blass, verhalten sich eher naiv und wirken nicht ganz lebensecht. Gut gefallen hat mir hingegen, dass die Protagonistin mit dem sympathischen Vinc bereits einen Partner hat und wie er als Figur in die Geschichte mit eingebaut wurde.

Bei der Familie Buccelli hatte ich natürlich sofort die Rizzardis vor Augen und bei Valeria musste ich an mein geliebtes Alla Borsa denken.

Der Fall an sich war auch etwas unglaubwürdig, vor allem kam mir das Täterprofil nicht stimmig vor.

Was ich nicht wusste, war, dass es schon der 4. Band der ermittelnden Köchin Doro Ritter ist. D.h. ich kannte die Vorgängerromane nicht, was aber auch überhaupt nicht notwendig ist. Außerdem hilft das Personenverzeichnis am Anfang bei der Orientierung zwischen alten und neuen Charakteren.

Fazit

Ich hatte mich wirklich auf diesen Krimi gefreut. Und er hat auch durchaus Potenzial, nur leider wurde das nicht genutzt. Mein Tipp lautet also: Wenn, dann lest ihn nicht vor Ort; vermutlich funktioniert er besser von zu Hause aus, zum Wegträumen oder als Erinnerung an einen schönen Gardasee-Urlaub.

Bibliografie

Titel: Bardolino Criminale – Ein Gardasee-Krimi
Autorin: Gudrun Grägel
Verlag & Copyright: Gmeiner
Seitenzahl: 344
Erscheinungsdatum: 8. März 2023
Preis: 15 € (Paperback)

Beitrag erstellt 343

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben