Das Eulenhaus von Agatha Christie

Da ich bei der Mai-Challenge von #ReadChristie2021 zu spät dran war, hatte der Atlantik-Verlag bereits alle Krimis mit Teebezug gepostet. Also entschied ich mich zumindest für einen Roman, den ich noch nicht kannte (ja, das gibt es tatsächlich, ich war auch überrascht): Das Eulenhaus.
Tee spielt hier jedoch keine wirkliche Hauptrolle.

Auch der Titel hat nichts mit dem Inhalt zu tun, es ist lediglich der Name des Hauses, der zum Schauplatz des Verbrechens wird.

Klappentext

Hercule Poirot ist zu einer Party auf das Anwesen von Lady Angkatell eingeladen. Als er eintrifft, liegt einer der Gäste sterbend am Pool – über ihn gebeugt und mit einem Revolver in der Hand dessen Gattin. Auf den ersten Blick scheint der Fall klar. Doch dann stellt sich heraus, dass keiner die Tat bezeugen kann. Und das einzige Beweismittel – die Pistole – liegt am Grund des Pools… Ein Fall für Hercule Poirot.

Wir haben es also wieder mit einem Plot zu tun, bei dem es eine fest stehende Hand voll Verdächtiger gibt, aus deren Kreis die Mörderin bzw. der Mörder stammen muss. Und das liebe ich ja, weil man dann selbst so schön miträtseln kann. Außerdem sind die Charaktere bei diesen Fällen immer besonders ausgefeilt dargestellt. Agatha Christie führt uns wieder tief in die menschliche Psychologie und lässt uns auf unterhaltsame Weise erkennen, dass sich die Menschen mitnichten einfach in Gut und Böse einteilen lassen und man sich als Leserin durchaus zu der Einschätzung hinreißen lassen könnte: Das Opfer in diesem Fall hat es vielleicht durchaus verdient…

Werfen wir also einen Blick auf die Figuren:

Gastgeber im Eulenhaus sind Lady und Lord Angkatell. Während Henrys Charakter ziemlich genau dem entspricht, was man sich so unter einem Lord vorstellt, ist Lucy intelligent, hat aber einen derart regen und sprunghaften Geist, dass ihr kaum jemand zu folgen vermag. Außerdem ist sie furchtbar unsensibel, verfügt aber über einen Charme, über den man ihr alles verzeiht. Ihr Buttler Gudgeon ist ihr außerordentlich ergeben. Zu diesem Charakter gibt es auch den ersten Teebezug: sie setzt immer Teewasser auf und vergisst es dann.

Ihre jüngere Cousine Midge Hardcastle steht mit beiden Beinen im Leben. Sie ist eine mittellose, aber tüchtige Person und so geht sie lieber einer unliebsamen Beschäftigung in einem Modehaus nach als sich von Verwandten aushalten zu lassen. Mehr oder weniger heimlich ist sie in Edward verliebt.

Der reiche Erbe des Anwesens Ainswick hat jedoch bereits mehrfach (allerdings vergeblich) seine Angebetete Henrietta gefragt, ob sie ihn heiratet.

Doch die talentierte und erfolgreiche Bildhauerin ist die heimliche Geliebte von John Christow. Wobei ihre Skulpturen bei ihr an erster Stelle stehen. Umso ungewöhnlicher erscheint es, dass sie als sehr empathische Person beschrieben wird, die gut mit Menschen umgehen kann, denn für ihre Kunst würde sie wohl über Leichen gehen…

Da wären wir dann auch schon beim Mordopfer. Die Affären des gut aussehenden, aber verheirateten Arztes und wie er die Frauen in seinem Leben behandelt, ist einfach würdelos. Auch für John steht seine Arbeit über allem und die Forschung über dem Wohl eines einzelnen Patienten.

Daher wirkt die Wahl seiner Ehefrau auch etwas seltsam. Gerda wird nämlich als sehr ängstliche, langsame und etwas dumme Person beschrieben, die ihren Mann regelrecht anbetet. Niemals würde sie seine Liebeleien durchschauen. Oder doch?

Denn außer Henrietta taucht noch eine ehemalige Verlobte auf. Über Veronica Crey lässt sich eigentlich nur sagen, dass sie eine erfolgreiche Filmschauspielerin ist, die ihr Handwerk versteht.

Eher vage bleibt die Rolle des jungen Intellektuellen David Angkatell, der irgendwie in der Erbreihenfolge von Ainswick berücksichtigt werden muss.

Doch Hercule Poirot, der letzte in dieser illustren Runde, lässt sich natürlich weder von Charme einwickeln, noch fällt er auf eine saubere Inszenierung herein. Und dieses Mal war ich sogar mit unserem Meisterdetektiv gleich auf, d.h. ich hatte sehr früh einen Verdacht, der sich letztendlich auch bestätigte.

Fazit

Ein herrliche Mordinszenierung in klassischer Agatha Christie Inszenierung mit interessanten Charakteren und viel Miträtselpotenzial.

Infos

Titel: Das Eulenhaus
Autorin: Agatha Christie
Übersetzung: Pieke Biermann
Verlag und Copyright: Atlantik
Seitenzahl: 288
Erscheinungsdatum: 15. April 2015
Preis: 12 € (Taschenbuch)

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