Der Bär und die Nachtigall von Katherine Arden

Kennt ihr das, wenn man ein Buch ausgelesen hat und furchtbar traurig ist, weil man nicht länger in der Geschichte verweilen kann? Genauso ging es mir bei „Der Bär und die Nachtigall“. Gott sei Dank ist es der Auftakt zur Winternacht-Trilogie.

Klappentext

Weit im Norden von Rus, wo der Wind kalt bläst und der Schnee fast das ganze Jahr fällt, erzählt die alte Amme Dunja den Kindern des landadeligen Pjotr Wladimirowitsch Abend für Abend Geschichten. Geschichten über Zauberei, magische Wesen und den Winterkönig mit den frostblauen Augen. Verbotene Geschichten. Doch für die junge, wilde Wasja sind dies weit mehr als nur Märchen. Denn sie allein kann die Geister sehen, die ihr Zuhause beschützen. Und sie allein spürt, dass sich in den Wäldern eine dunkle, gefährliche Macht erhebt.

Meine Meinung zu Sprachstil und Handlung

Ganz ehrlich? Ich hatte nicht mit einer so zauberhaften Geschichte gerechnet. Inspiriert von russisch/slavischen Mythen und Sagen erschafft Katherine Arden eine ganz besondere Märchenadaption von Väterchen Frost. Aufgewachsen mit den Gebrüdern Grimm und Hans Christian Andersen zieht mich diese fremdartig anmutende Geschichte sofort in ihren Bann, denn die Autorin hat ein ganz besonderes Talent, Stimmung und Atmosphäre einzufangen. Ihre Sprache ist wunderschön und die Seiten flogen nur so dahin. Es hat sich wirklich so angefühlt, als wäre ich in der Geschichte mittendrin. Wenn ich das Buch überhaupt zur Seite legen konnte, brauchte ich jedes Mal ein paar Minuten um mich zu orientieren.

Die Handlungsstränge sind sehr komplex und vielschichtig –da ich mit der Mythologie nicht vertraut bin, hatte ich manchmal leichte Orientierungsschwierigkeiten – aber es baut logisch aufeinander auf und nach und nach fügt sich alles zusammen. Besonders geliebt habe ich das traumhafte Setting Russlands, auch wenn mir die für meine Augen und Ohren ungewohnt klingenden Namen, Titel und Orte den Überblick etwas erschwerten.

Charaktere

Die Figuren sind fantastisch, authentisch und liebevoll gezeichnet. Der Aufbau folgt einer klassischen Struktur: Es gibt den liebenden Vater, immer bestrebt, das Richtige zu tun, doch aufgrund schlechter Menschenkenntnis den falschen Ratgebern folgend, die (nicht für alle offensichtlich) böse Stiefmutter, die warmherzige Amme (könnte sie zaubern, wäre sie wohl die Fee), Naturgeister, magische Geschöpfe und Zauberei sowie eine starke unabhängige Protagonistin. Wasjas Charakter trieb mich zeitweise zum Wahnsinn. Wir begleiten sie von Kindesbeinen an und dürfen miterleben, wie sie zur Frau heranwächst. Sie hat so ein gutes reines Herz, gleichzeitig macht sie nur, was sie will und ist kaum zu bändigen. Vom Winterkönig erfahren wir noch nicht wirklich viel: ist er gut oder böse? Dass uns schreckliches erwartet, wenn sein Bruder – Der Bär – erwacht, ist jedoch schnell klar. Besonders spannend fand ich, wie er einen Geistlichen für seine Zwecke missbraucht, der denkt, die Stimme Gottes hätte ihn erwählt. Und als er seinen Irrtum bemerkt, verfolgt er kein menschlicheres Ziel, als seine Taten zu vertuschen, ganz nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. In dem Zusammenhang hat mich auch begeistert, wie die Autorin alte Gebräuche und Naturgeister mit eingearbeitet hat und damit den irrwitzigen Konflikt zwischen Christen und Heiden aufzeigt.

Fazit

Ein unglaubliches Debut und einer der berührendsten Romane, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich kann es kaum erwarten, mit Teil II zu beginnen.

Bibliografie

Titel: Der Bär und die Nachtigall
Autorin: Katherine Arden
Übersetzung: Michael Pfingstl
Verlag und Copyright: Heyne
Seitenzahl: 432
Erscheinungstermin: 14. Oktober 2019
Preis: 16,99€ (Klappenbroschur)

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