Die kleine literarische Apotheke von Elena Molini

Der Klappentext der kleinen literarischen Apotheke verspricht einen klassischen „Buchverschlingerin“-Liebesroman. Zum Wohlfühlen eben. Allerdings geht es insbesondere um die Liebe zu Büchern, Geschichten, Figuren und darum, was Fiktion im realen Leben alles bewirken kann. Und das ist so viel besser!

Klappentext

Blu liebt das Lesen! Doch ihre kleine Buchhandlung in Florenz schafft es einfach nicht aus den roten Zahlen. Erst ein geheimnisvoller Kunde bringt sie auf eine Geschäftsidee: Jeder, der ihren Laden betritt, sucht dringend Rat. Was tun gegen Liebeskummer, Einsamkeit, Stress und Zukunftsangst? Ganz einfach: Lies ein Buch, es wirkt wie Medizin! Von nun an verordnet Blu ihre Bücher wie auf Rezept – inklusive Anwendungsgebiet und Dosierungsanleitung. Aber wer war der mysteriöse Mann, der Blu den rettenden Einfall gab, und wie kann sie ihn wiederfinden?

Meine Meinung

Die Plotidee wirkt auf den ersten Blick recht simpel und nicht wirklich neu: Blus Buchhandlung braucht dringend etwas Besonderes, sonst droht der Konkurs. Kurzerhand verwandelt sie ihren Laden in eine literarische Apotheke. Der Plan geht auf und die Buchhandlung ist gerettet. Das Alleinstellungsmerkmal dieses Romans ist ein besonderer Twist, der sich durch die Handlung zieht. Ich hoffe ich spoilere nicht zu sehr, wenn ich „The sixt sense“ Vibes in den Raum stelle.

Biografisch

Die Handlung erschien mir in zwei Punkten jedoch ziemlich unrealistisch: Zum einen, welch große Aufmerksamkeit das Konzept der kleinen Buchapotheke von heute auf morgen erhält. Und zum anderen konnte ich mir kaum vorstellen, dass man über Nacht für zahlreiche Bücher passende Beipackzettel erstellen kann (Insbesondere, wenn ich mir vor Augen führe, wie lange ich an einer simplen Kurzmeinung sitze…).

Ihr könnt euch vorstellen, wie überrascht ich war, dass der Roman autobiografisch geprägt ist und die Autorin tatsächlich eine Bücherapotheke in Florenz betreibt.

Schreibstil

Die Sprache wirkt leider manchmal etwas holprig. Lange Schachtelsätze und umständliche Satzbildung erschweren den Lesefluss. Trotzdem spürt man die liebevolle Umsetzung auf jeder Seite und auch wenn kein spezielles Florenz-Feeling aufkam, möchte ich sofort wieder dahin, allein schon um mir den Laden der Autorin anzuschauen. Und Elena Molini schreibt zumindest so fesselnd, dass ihr Roman ständig nach mir ruft und ich ihn gar nicht aus der Hand legen mag.

Übersetzung

Meine Schwierigkeiten mit der Sprache könnten an der Übersetzung liegen. Bspw. wird dauernd zwischen „Du“ und „Sie“ hin- und hergesprungen. Außerdem passt das beschriebene Alter oft nicht zu den Figuren, so wird Filippo als „Junge“ beschrieben, obwohl er im gleichen Alter ist wie die Protagonistin.

Charaktere

Kurz und knapp: Elena Molinnis Figuren sind vielschichtig, sympathisch und lebensecht.

Vorkenntnisse

Folgende sechs Bücher spielen in dem Roman eine besondere Rolle, daher empfehle ich, sie im Vorfeld zu lesen, falls mensch sie noch nicht kennt:

  • Emma von Jane Austen
  • Der große Gatsby von Francis Scott Fitzgerald
  • Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow
  • Kaputt in Hollywood und andere Erzählungen von Charles Bukowski
  • Der Dienstagabend-Klub von Agatha Christie
  • Es von Stephen King

Zwar ist es ausreichend, wenn man den groben Inhalt kennt – ich habe auch nicht alle gelesen – aber bei denen, die ich kannte, war der Lesegenuss noch größer.

Selbstverständlich tauchen noch zahlreiche Verweise auf andere Bücher auf, aber Blu hat einen sehr ausgeprägten Hang zu Klassikern, wovon mir die meisten nichts sagen. Daher ist es etwas schade, dass das anhängende Quellenverzeichnis Lücken aufweist, obwohl ich „Schwarze Seerosen“ natürlich auch über Google gefunden habe.

Übrigens wird jedes Kapitel mit einem Zitat aus einem Buch eingeleitet, das darin wiederum eine gewisse Rolle spielt.

Fazit

„Die kleine literarische Apotheke“ ist der Beweis, dass Bücher jedes Problem erträglicher machen können. Von ihrer Heilkraft bin ich fest überzeugt.

Dieser Roman ist eine richtige kleine Geheimwaffe – für eine Realitätspause, um die Akkus wieder aufzuladen. Nur hat es in meinen Augen bislang viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Außerdem ist es das perfekte Geschenk für jede:n Buchliebhaber:in.

Beipackzettel

NAME DER MEDIZIN

Die kleine literarische Apotheke von Elena Molini

ARZNEIMITTELKATEGORIE

Berauschendes Placebo bei Bibliophilie

ANWENDUNG

Es hilft literarisch, den Traum einer eigenen Buchhandlung zu simulieren. Das menschliche Gehirn macht hierbei keinen Unterschied und schüttet daher die gleichen Glücksgefühle aus, als hätte mensch wirklich eine.

NEBENWIRKUNGEN

Kann die Buchsucht verstärken, mit allen finanziellen Konsequenzen, die der Nachkauf aller hierin erwähnten Bücher mit sich bringt.

WECHSELWIRKUNGEN

Es ist ein sehr Klassikerlastiges Medikament, kann aber getrost auch mit moderner Medizin kombiniert werden. Jedoch sollten vorab mindestens drei der folgenden Arzneimittel verabreicht werden:

Emma von Jane Austen, Der große Gatsby von Francis Scott Fitzgerald, Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow, Kaputt in Hollywood und andere Erzählungen von Charles Bukowski, Der Dienstagabend-Klub von Agatha Christie, Es von Stephen King.

DOSIERUNG; ART UND DAUER DER ANWENDUNG

Im Ganzen einzunehmen. Zettel und Stift für weitere Bücherwünsche bereithalten und nach der Einnahme unverzüglich den nächsten lokalen Buchhandel aufsuchen.

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Bibliografie

itel: Die kleine literarische Apotheke
Autorin: Elena Molini
Übersetzung: Janine Malz
Verlag und Copyright: Diana
Seitenzahl: 384
Erscheinungstermin: 08. Februar 2022
Preis: 11€ (Klappenbroschur)

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