Frau Shibatas geniale Idee von Emi Yagi

Eigentlich hatte ich mich auf diesen Roman gefreut, denn ich vermutete dahinter eine ähnlich intelligente Geschichte wie bei „Kim Jiyoung, Geboren 1982“. Stattdessen kam mir die Lektüre so vor, als hätte mir eine Freundin eine Anekdote erzählt; ohne wirkliche Geschichte dahinter oder etwas, das nachwirkt. Oder wie ein Bericht aus dem Fernsehen: Man sieht ihn und hat ihn anschließend direkt wieder vergessen.

Klappentext

Frau Shibata ist vierunddreißig und arbeitet als Angestellte in einer Firma in Tokyo, in der Männer das Sagen haben. Ständig wird sie herumgeschubst, schlecht behandelt und soll Kaffee kochen. Doch dann hat sie eine geniale Idee: Sie behauptet, schwanger zu sein – und plötzlich wird sie rücksichtsvoll behandelt. Doch wie weit lässt sich dieses Spiel treiben? Frau Shibata geht aufs Ganze, stopft sich die Kleidung aus und ‚erlebt‘ die gesamte Schwangerschaft. Bis schließlich unausweichlich der Moment der Wahrheit naht – und die sieht anders aus, als gedacht …

Meine Meinung

Mit dem Klappentext ist zum Plot eigentlich auch schon alles gesagt. Und genau das ist auch mein Problem mit dem Buch. Ich weiß, die Geschichte ist als Gesellschaftskritik gedacht, aber ich fand sie trotzdem langweilig. Als „feministische Antwort auf tief verankerte patriarchalische Strukturen in der japanischen Gesellschaft“ kann ich sie auch nicht verstehen, denn es ist ja nicht so, dass sich Frau Shibatas Kollegen ihr gegenüber auf einmal fair verhalten, weil sie angeblich schwanger ist. Sie handeln einfach nur dem Gesellschaftsbild entsprechend rücksichtsvoll aufgrund ihres vermeintlichen Zustands. Dass sie nach ihrer „Babypause“ gelernt haben, auch mal selbst Kaffee zu kochen und aufzuräumen hätte auch durch jegliche anders begründete Abwesenheit kommen können. Denn wenn keine Frau verfügbar ist, muss es ja zwangsläufig ein Mann übernehmen.

Was bleibt ist eine grundsätzliche Kritik an der japanischen Arbeitswelt, wie z.B. dass „kürzer“ treten bedeutet, überhaupt erstmal die vereinbarten Arbeitszeiten einzuhalten.

Dennoch war es interessant, zu verfolgen, was die vorgetäuschte Schwangerschaft mit der Protagonistin macht, bspw. dass sie beginnt, gesünder zu leben bzw. leben zu können, weil sie jetzt die nötige Zeit dafür erhält. Sie fängt an Sport zu treiben und bekommt die Chance auf ein Sozialleben.

Unabhängig davon bleibt die Protagonistin sehr blass; andere Figuren sind überhaupt nicht weiter ausgearbeitet. Evtl. sollte mir Hosonos Geschichte (eine andere Frau aus dem Schwangerschaftsfitnesskurs) etwas sagen, doch die habe ich nicht verstanden.

Etwas seltsam wurde es, als Shibata plötzlich zum Frauenarzt geht und dieser tatsächlich ein Baby in ihrem Bauch erkennen wollte. Auch bin ich mir nicht sicher, ob sie schlussendlich selbst anfängt zu glauben, ein Kind zu bekommen…

Fazit

Um ehrlich zu sein, ist „Frau Shibatas geniale Idee“ ein nichtssagender Roman, der leider nicht vielmehr zu bieten hat, als die Idee, durch eine vorgetäuschte Schwangerschaft in einer patriarchalisch fernöstlichen geprägten Arbeitskultur auf eine gesunde Work-Life-Balance zu kommen.

Bibliografie

Titel: Frau Shibatas geniale Idee
Autorin: Emi Yagi
Übersetzung: Luise Steggewentz
Verlag & Copyright: Atlantik
Seitenzahl: 208
Erscheinungsdatum 01. Oktober 2021
Preis: 21 € (Hardcover)

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