Illuminae. Die Illuminae-Akten_01 von Amie Kaufman und Jay Kristoff

Dieses Buch habe ich auf einem meiner absoluten Lieblingspodcasts „Buchcastmafia“ entdeckt. Mandy und Sofia schwärmen seit Jahren so leidenschaftlich von dem Science-Fiction-Roman, dass ich gar nicht anders konnte, als es endlich mal zu lesen. Und was soll ich sagen: Es ist grandios! Und Einzigartig. Und ein Jahreshighlight.

Inhaltsangabe des Verlags

Heute Morgen noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Am Nachmittag dann wird ihr Planet angegriffen. Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein Virus, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Leider nur ist AIDAN bei dem Angriff außer Kontrolle geraten und übernimmt nun das Kommando.

Struktur und Gestaltung

Als erstes fällt natürlich die besondere Gestaltung des Buches auf – und damit meine ich nicht nur das Cover. Der Titel ist Programm und so lesen wir uns durch eine Aneinanderreihung verschiedenster Dokumente: Berichte, Lagepläne, Aufzeichnungen, Verhör- und Systemprotokolle, Chats, Emails, Tagebucheinträge, Logbücher… Das klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas anstrengend oder zerstückelt, aber man kann das Buch wirklich flüssig weglesen. Bspw. sind die Berichte der Analysten, die die Kameraaufzeichnungen auswerten mega spannend geschrieben, ich habe sooo mitgefiebert!

Es fühlt sich einfach so an, als würde man sich wirklich durch eine Akte wühlen – Illuminae ist übrigens die Gruppe, deren Rechercheergebnisse hier zusammengetragen wurden und mir gefällt diese Struktur, weil sie über das reine Lesen hinaus geht; fast so als würde man einen Film lesen.

Ich meine, schaut euch doch allein mal diese Kampfszene an:

Natürlich braucht man bei einem solchen Dossier einige Seiten, bis man sich einen Überblick über die Lage verschafft hat. Dadurch –  vielleicht aber auch weil es von zwei Autor*innen geschrieben wurde – erscheint der Schreibstil sehr abwechslungsreich. Außerdem ist er humorvoll, was sich zum einen in den Dialogen, zum anderen aber auch in der Aufmachung zeigt. So sind passend zum Berichtstil zwar die Kraftausdrücke geschwärzt, man kann sich aber genau denken, was sich dahinter verbirgt.

Last but not least ist die Geschichte durch den Aufbau überraschend. Nie weiß ich, was mich erwartet, wenn ich die Seite umblättere, schon gar nicht was passieren wird. Und irgendwann traue ich dem Buch alles zu: Happy End – Kein Happy End. Alle werden sterben – Alle überleben.

Dazu tragen natürlich auch eine Handvoll Plottwists bei, die ich so nicht habe kommen sehen. Es waren sogar einige Schockmomente dabei, die ich einfach nicht wahr haben wollte.

All das führte dazu, dass ich direkt in die Geschichte hineingesogen wurde und das Buch trotz der 600 Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte und durch die Kapitel flog.

Handlung

Das Setting selbst ist im Prinzip eine Weltraumverfolgungsjagd. Dazu passend wird bereits einige Zeit vor dem Showdown in regelmäßigen Abständen ein Countdown eingefügt und spätestens dann ist „Aufhören zu Lesen“ keine Option mehr. Ihr solltet euch also gut überlegen, ob ihr noch genug Zeit habt, wenn ihr an die Stelle kommt. Durch Sprachstil, Aufbau und Stilelemente wie dieses, fühlt sich die Geschichte unglaublich real an.

Die Ausgangssituation ist auch richtig cool: Dass sich die beiden gerade getrennt haben, sie dann aber von der Situation (Weltuntergang) auch räumlich auseinander gerissen werden. Natürlich können sie ihre Emotionen (vor allem weil sie noch so jung sind) nicht einfach so abstellen. Das Gefühlchaos der beiden kommt jedenfalls richtig gut rüber. Am Ende bekommt man auch noch einen leichten Teaser, warum sich die beiden überhaupt getrennt haben. Nur so viel: Das, was hinter ihren Problemen steckt, ist so viel größer als sie…

Einzig dem Plot mit dem Virus kann ich nichts abgewinnen, weil er so Zombiemäßig wirkt, aber ich vermute, er war für den Handlungsfortschritt erforderlich.

Tolle Charaktere

Unsere Protagonistin Kady ist eine begnadete Hackerin und damit schon direkt in meinem Herzen. Ihr (Ex)Freund Ezra hat es zwar nicht so mit der Technik, gibt aber einen recht guten Piloten ab. Außerdem scheint er wirklich herzensgut zu sein.

Die beiden wirken zwar ein wenig wie liebestolle Teenager, aber sooo alt sind sie ja nun auch noch nicht. Und wer sich erinnern kann: Der erste Liebeskummer fühlt sich genauso an, als würde die Welt untergehen. Und wenn sie gleichzeitig auch noch wirklich untergeht, fällt das irgendwie nicht mehr so ins Gewicht.

Wenn die beiden miteinander oder mit anderen Gleichaltrigen kommunizieren, verwenden die Autor*innen Jugendsprache, u.a. auch Emojis. Das muss man mögen, auf mich wirkt es dadurch umso authentischer.

Die KI Aidan müsste man eigentlich auch noch als Protagonist hinzufügen, denn sie wirkt, als hätte auch sie ein Bewusstsein. Ich liebte die Passagen aus ihren Kernlogs, die fast schon poetisch daher kamen und sich teilweise mit philosophisch existenziellen Fragen beschäftigen. Ich meine ein Roman, in dem es um eine KI geht, hat mich meistens sowieso schon beim Hallo.

Man kann Aidan auch wirklich nicht einschätzen oder sollte ich eher sagen, durch die Beschädigung ist ihr Algorithmus nicht mehr nachvollziehbar? Kann eine KI gut oder böse sein? Auf welchen Daten beruhen ihre Entscheidungen? I really love it.

Fazit

Die Illuminae-Akten ist ein kunstvoll gestaltetes spannendes New Adult Weltraumabenteuer mit Liebesgeschichte zwischen einem Piloten und einer Hackerin, einer außer Kontrolle geratenen KI und einem Lebensbedrohlichen Virus.

Dabei glaube ich, dass keine Rezension diesem Buch so wirklich gerecht werden kann, aber ich hoffe, ihr konntet meine Begeisterung spüren. Für mich ist es ein absolutes Must-Read für alle Sci-Fi Fans, denn es hebt das Leseerlebnis auf ein neues Level.

In jedem Fall ein weiteres Jahreshighlight.

Trilogie

Das Beste ist natürlich, dass es ein Reihenauftakt ist. Band 2 und 3 warten schon auf meinem RuB…

  • Illuminae
  • Gemina
  • Obsidio

Bibliografie

Titel: Illuminae. Die Illuminae Akten_01
Autor*innen: Amie Kaufman, Jay Kristoff
Übersetzung: Gerald Jung, Katharina Orgaß
Verlag und Copyright: dtv
Seitenzahl: 608
Erscheinungsdatum: 13.10.2017
Preis: 19,95 € (gebunden)

Beitrag erstellt 256

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben