Löwenherzen von Gesa Neitzel

Seitdem Gesa Neitzel bereits durch ihr Debüt „Frühstück mit Elefanten“ meine Afrikaliebe entfacht hat, warte ich sehnsüchtig auf eine Fortsetzung; insbesondere, da ihr zweiter Roman „The Wonderfull Wild“ eher in Richtung Lebensphilosophie denn Reisebericht ging. Vielleicht lag „Löwenherzen“ deshalb so lange auf meinem SuB, denn wenn ich gewusst hätte, dass es diesmal wirklich wieder in den Busch geht, hätte ich es sofort gelesen!

Klappentext

Gesa Neitzel hat sich während ihrer Ausbildung zum Safari-Guide verliebt – nicht nur in Ranger Frank, sondern auch in den afrikanischen Kontinent, mit all seinen Facetten, Farben und Herausforderungen.
Das junge Paar begibt sich auf einen faszinierenden wie waghalsigen Roadtrip quer durchs südliche Afrika: Botswana, Namibia und Sambia. Sie schlafen in einem kleinen Dachzelt auf dem klapprigen Land Rover, begegnen Flusspferden in wackeligen Kanus, Wüstenlöwen beim Reifenwechsel und immer wieder der Frage nach der gemeinsamen Zukunft. Ein Abenteuer im wahren wilden Afrika.

Meine Meinung

„Löwenherzen“ fühlt sich von der ersten Seite an, wie nach Hause kommen, dabei war ich noch nie in Afrika (nur literarisch). Die Autorin versetzt mich mit ihrer Leidenschaft für Tiere, Land und Menschen (genau in dieser Reihenfolge) direkt wieder in Safari-Stimmung. Ihre bildhafte Sprache gibt mir das Gefühl, dabei zu sein und lässt mich so an Abenteuern teilhaben, die ich mich selbst vermutlich nie trauen würde (Als Schisserin durch die Welt – Bücher machen’s möglich!). Denn mal ganz ehrlich: Keine 10 Pferde (oder Elefanten) würden mich dazu bringen, in ein Kanu zu steigen, um zu rätseln, ob jetzt eher Krokodile oder Flusspferde die größere Gefahr für mein Leben darstellen…

Die tollen Fotos in der Buchmitte tun ihr übriges, um mein Fernweh anzustacheln und man merkt, dass sie mit einem Fotografen unterwegs ist. Allerdings hätten es für meinen Geschmack gern noch mehr Bilder sein dürfen, vor allem von der Fledermauswanderung!

Außerdem gefällt mir, wie sie ihre Beziehung mit Frank einbaut, den wir ja bereits aus ihrem ersten Buch kennen. So kommt auch ein wenig Romantik auf und da bin ich ja immer ein großer Fan von. Eine weitere Protagonistenrolle geht übrigens an ihren Land Rover Ellie (müsst ihr bei dem Namen auch an das Mammut aus „Ice Age“ denken?), der mit seinen technischen Eigenheiten immer für eine zusätzliche Überraschung gut ist. Es sind aber nicht nur unterhaltsame Anekdoten über ihren fahrbaren Untersatz dabei: Wir erleben Franzosen auf Schuhschnabeljagd, Löwen, die den Weg zum Flugzeug versperren, eine Puffotter am Außenklo, ein Feuer, das im Camp ausbricht und vieles mehr.

Auch zu lernen gibt es wieder unglaublich viel. Gesa Neitzel klärt über die verschiedensten  Zusammenhänge auf und steigert damit mein Verständnis für die Region, bspw. warum es kontraproduktiv ist, Länder zu boykottieren, die es erlauben, Wildtiere zu jagen. Mich braucht sie von den Vorteilen von Reisen nicht zu überzeugen, denn wenn mir eins während der Covid-19-Pandemie am meisten gefehlt hat, war es der interkulturelle Austausch in unseren Urlauben. Aber ich sehe mich auch zunehmend in Diskussionen verwickelt, dass man zum Schutz von Ökosystem und Klima doch bitte nur noch zu Hause bleiben sollte. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass die Autorin als Private Guide auch ein Eigeninteresse am Afrika-Tourismus hat, aber sie liefert ein wirklich plausibles Argument, warum Safaris dem Kontinent helfen können.

Und ja, evtl. kommt die Sichtweise der Bevölkerung in diesem Buch etwas zu kurz, aber der Fokus liegt nun mal auf den Tieren. Und da läuft es mir jedes Mal kalt den Rücken runter, wenn die Autorin von Wilderern und tragischen tierischen Schicksalen berichtet.

Vielleicht romantisiere ich Gesa Neitzels Biografie auch ein wenig, aber in meinen Augen führt sie ein wunderbares Leben; wobei das vermutlich auch einfach „nur“ Einstellungssache ist. Egal in welcher Beziehung: sie folgt ihrem Herzen und „macht einfach“. Dabei lässt sie sich auch von einer verpatzten Prüfung nicht unterkriegen und das ist auch genau die Botschaft, die sie uns Leser*innen am Ende ihrer Reise mitgibt. Das, und ganz viel neue Sensibilität für Tiere, Menschen und Landschaft Afrikas.

Eine kurze Anmerkung noch zur Gestaltung, die wirklich sehr liebevoll gemacht ist: Immer wenn Gesa und Frank eine Grenze überqueren, gibt es eine Art Wimmelbild mit den wichtigsten Merkmalen des Landes.

Last but not least: Die Autorin gendert das gesamte Buch hindurch – und das stört den Lesefluss kein bisschen: Grandios!

Fazit

Mit „Löwenherzen“ ist Gesa Neitzel eine authentische Fortsetzung ihrer afrikanischen Reiseabenteuer gelungen: atmosphärisch, unterhaltsam und informativ, aber vor allem mit großem Fernwehpotenzial!

Übrigens lässt das Nachwort durchblicken, dass sie derzeit an einem fiktionalen Roman schreibt: Ich bin gespannt!

Bibliografie

Titel: Löwenherzen – Zwei unterwegs in Afrika
Autorin: Gesa Neitzel
Verlag und Copyright: Ullstein
Seitenzahl: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 02. August 2021
Preis: 16,99 € (Klappenbroschur)

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