Winterwundertage von Karen Swan

Ich hatte mir dieses Buch als gemütlichen Winterroman gekauft, weil ich Karen Swans Schreibstil so mag. Aber auch wenn die Geschichte in der kalten Jahreszeit angesiedelt ist, wollte sich Winter- oder gar Weihnachtsstimmung nicht so richtig einstellen. Ich las zwar die Beschreibung der Kälte, aber irgendwie schaffte sie es nicht aus dem Buch heraus…

Klappentext

Alex Hyde, eine junge Unternehmensberaterin aus London, nimmt kurz vor Heiligabend einen lukrativen Auftrag an: Sie soll Kentallen, einer familiengeführten Whisky-Destillerie, wieder zum Erfolg verhelfen. Kaum hat sie die abgelegene schottische Insel Islay betreten, begegnet sie Lochlan, Erbe der Dynastie. Attraktiv, charismatisch und unberechenbar – noch nie hat es Alex mit einem Auftraggeber wie ihm zu tun gehabt. Im Laufe der Zusammenarbeit kommen sie sich immer näher. Doch als Alex zufällig eine alles verändernde Entdeckung macht, steht sie vor der schwierigsten Entscheidung ihres Lebens…

Charaktere

Die Figuren sind komplexer angelegt als es die Autorin vermitteln kann. Das führt leider zu Widersprüchen zwischen Personen und deren Handlungen. Erklärungen fehlen oder sind nur angedeutet.

Ich weiß, dass es ein üblicher Plot ist, eine Frau in unglaublich schönen aber ebenso unpraktischen Outfits in die Kälte, Wildnis o.ä. zu schicken. Aber dass sich eine Führungspersönlichkeit wie Alex alles über Whiskey, Maische und Blending aneignet, es aber nicht schafft, sich den Wetterbericht für Schottland anzusehen, ist doch wirklich etwas unrealistisch. Und selbst wenn, was ist das für eine exzellente Assistentin, die ihre Chefin in High Heels und Mäntelchen in die Shottischen Highlands aufbrechen lässt?

Genauso seltsam fand ich, dass Alex nie die andere Seite in beschriebenen Konfliktsituation angehört hat, um sich ein ganzheitliches Bild zu verschaffen. Alles was ihr von einer Seite erzählt wird, nimmt sie sofort und ohne zu zögern für bare Münze, ob es nun um die geplatzte Hochzeit von Skye und Lochlan oder um die Brennerei geht. Das kommt mir nicht gerade authentisch in Bezug auf einen erfolgreichen Management-Coach vor.

Wenn man aber an die Ausgestaltung der Charaktere keine großen Erwartungen stellt, wird man mit den Romanfiguren viel Spaß haben.

Noch mehr Kritik…

Zu Beginn des Romans etwas dominant und für mich störend, waren die ständigen Hervorhebungen von Luxusmarken. Gott sei Dank wurde das im Laufe des Romans besser.

Die Auflösung bzw. Enthüllung von Alex‘ Hintergrundgeschichte war mir ehrlich gesagt ein bisschen zu dick aufgetragen. Außerdem kam sie viel zu spät und war weder für den Fortgang der Geschichte noch für Alex‘ Handlungen relevant.

Warum würde ich „Winterwundertage“ trotzdem empfehlen?

Mir hat der Schauplatz sehr viel Spaß gemacht. Die schottische Whiskeybrennerei „Kentallen“ war unglaublich atmosphärisch beschrieben. Außerdem hat mir gefallen, dass so viel Wissenswertes über Whiskey, deren Produktion und Vermarktung in den Roman eingebaut wurde. Interessant fand ich vor allem, mit welchen Herausforderungen diese traditionsreiche Branche zu kämpfen hat und was bspw. auch der Brexit für Auswirkungen haben könnte.

Wir steuern auf eine Vorratskrise zu und auf die bisher größten Handelshürden der jüngeren Geschichte, und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Wir sind wie ein Kreuzfahrtschiff, das auf eine Klippe zusteuert – zu unförmig zum Wenden und zu träge zum Bremsen.

Karen Swan (2018): Winterwundertage, S. 196

Was ich ebenfalls mochte, waren die Einblicke in Alex Coachingarbeit. Ich durfte beruflich bereits an einigen dieser Maßnahmen teilnehmen und hab mich darin sofort wieder gefunden.

Sprachstil

Der Roman ist so schön locker und leicht geschrieben, wie ich es von der Autorin gewohnt bin, sodass ich den Roman an drei Abenden durchgelesen hatte. Und es sind immerhin knapp 600 Seiten!

Fazit

Ein netter, leichter Liebesroman, der uns nicht wirklich zappeln lässt. Auch wenn die Winterstimmung bei mir nicht ankam, spüre ich immer noch den Drang, meine Koffer zu packen und einen Whiskey am Torffeuer irgendwo in den Schottischen Highlands zu trinken. Dabei habe ich in Edinburgh sogar schon einmal an einem Whiskey-Tasting teilgenommen, fand es aber nicht so prickelnd…

Das Buch hat mich stark an den Film „New in Town“ mit Renée Zellweger erinnert. Also habe ich ihn anschließend gleich mal wieder angeschaut und kann ihn ebenso wie das Buch empfehlen. Allerdings kommt im Film das Winterfeeling sehr viel deutlicher rüber.

Infos

Titel: Winterwundertage

Originaltitel: The Christmas Secret

Autorin: Karen Swan

Übersetzung: Gertrud Wittich

Verlag und Copyright: Goldmann Verlag

Seitenzahl: 608

Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2018

Preis: 10 € (Taschenbuch)

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