Auf doppelter Spur von Agatha Christie

Hinter dem 19. Türchen meines Agatha Christie Adventskalenders verbarg sich etwas Großes. Und damit meine ich nicht nur den Umfang von mehr als 300 Seiten. Nein, der Geheimdienst ist mit von der Partie. Oder zumindest einer seiner Spione!

Die Schreibkraft Sheila Webb wird zum Haus der blinden Miss Pebmarsh zitiert, wo sie jedoch keinen Auftrag erhält, sondern über eine Leiche stolpert. Kurios ist die entschiedene Verneinung der Blinden, das Schreibbüro überhaupt kontaktiert zu haben. Noch dazu hat das Opfer keine Brieftasche bei sich und auch sonst wurden alle Hinweise auf seine Identität entfernt. Und was haben nur die vier Uhren, alle wahllos im Zimmer verstreut, aber exakt auf 4:13 Uhr eingestellt, zu bedeuten? Denn der Hausbesitzerin scheinen sie nicht zu gehören…

Die Geschichte wird primär aus der Sicht des Geheimdienstagenten Colin Lamb erzählt, einem Freund sowohl von Hercule Poirot als auch von Inspector Hardcastle, der die Mordermittlung leitet. Er wird ganz unverhofft in das Verbrechen hineingezogen, während er selbst jemandem auf der Spur ist. Der Titel ist also ganz treffend gewählt. Das Cover gefällt mir auch wieder sehr gut. Schön schlicht. Was jedoch das Schlüsselbund zu bedeuten hat, ist mir ein Rätsel.

Etwas schade fand ich, dass Hercule Poirot so wenig in Erscheinung trat. Erst in der Mitte des Buches, wird er von Colin Lamb um Hilfe gebeten. Vordergründig möchte er ihn endlich mal auf die Probe stellen, ob er nun wirklich ein Verbrechen nur durch Nachdenken von seinem Sessel aus aufklären kann. Poirot wähnt jedoch ganz richtig, dass sein Freund ihm damit auch einen Gefallen erweisen will, wäre er doch auch gänzlich selbst in der Lage das Rätsel zu lösen. Dabei wählt er zur Erklärung eine wie ich finde ausgesprochen niedliche Analogie für ihre Beziehung: Nämlich diejenige zwischen Herrchen und Hund. Liebe und Respekt zwischen beiden ist gegenseitig.

Agatha Christie: Auf doppelter Spur, S. 293

Zum Ende der Geschichte hin, hält Hercule Poirot – ganz klassisch – einen Schlussmonolog, in dem er das Verbrechen aufklärt. Allerdings hätte ich ihm gern die Ohren dafür langgezogen, dass er uns bei seiner ausschweifenden Erzählung so lange zappeln ließ. Und ich vermute den Herren Lamb und Hardcastle ging es ebenso.

Was mir jedoch etwas unrealistisch vorkam, war die Tatsache, dass Agent Colin Lamb den Hinweis, der ihn zu Beginn der Geschichte an den Tatort des Verbrechens führte, so falsch interpretierte. Für mich war er von Anfang an nur in der Schlussendlich richtigen Form lesbar.

Fazit

Ein schöner Kriminalroman, wobei ich nicht so weit gehen würde, ihn als einen Hercule Poirot zu bezeichnen. Aber er ist in bester Agatha Christie Manier geschrieben. Er hat auch viele Elemente eines klassischen Sherlock Holmes.

Und es gab eine nette kleine Liebesgeschichte, die ganz amüsant war.

Exkurs

Ich habe in diesem Roman einen sehr passenden Satz gelesen, den Agatha Chirstie ihrem Hercule Poirot in den Mund legte:

Man wird tatsächlich vom Stil des Werkes infiziert, das man gerade liest.

Agatha Christie: Auf doppelter Spur, S. 162

Ich fand ihn so treffend! Insbesondere, weil ich mich jedes Mal anstecken lasse. Mein Sprachstil variiert so stark, je nachdem ob ich eine Rezension über ein Buch, das bspw. im viktorianischen Zeitalter angesiedelt ist, schreibe oder über ein Jugendbuch der Gegenwart.

Infos

Titel: Auf doppelter Spur

Autorin: Agatha Christie

Übersetzung: Giovanni und Ditte Bandini

Verlag und Copyright: Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag

Seitenzahl: 320

Erscheinungsdatum: 14. März 2018

Preis: 12 € Taschenbuch)

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