Rächende Geister von Agatha Christie

Die August-Aufgabe der #readchristie2023 Challenge: Sturz aus großer Höhe. Ich habe mir dafür „Rächende Geister“ ausgesucht, weil sich das Setting einfach total verrückt anhört…

Klappentext

Im Alten Ägypten einem Serienmörder auf der Spur
Ägypten, 2000 v. Chr. Das ohnehin schon angespannte Zusammenleben einer Großfamilie wird zusätzlich strapaziert, als ihr Oberhaupt eine neue Geliebte mit nach Hause bringt. Jung, wunderschön und zutiefst boshaft, sät diese Zwietracht, wo sie nur kann. Als sie stirbt, glaubt niemand an einen Unfall. Dann gibt es weitere Tote – ein Fluch? Oder allzu menschliches Tun?

Meine Meinung

Was für ein ungewöhnlicher Krimi! Das Buch enthält eine Vorbemerkung von Agatha Christie, in dem sie erklärt, dass sie von Briefen aus der XI. Dynastie, die vor 100 Jahren in einem Felsengrab gegenüber von Luxor entdeckt wurden, zu Handlung und Personen inspiriert wurde. Allein das machte mich schon neugierig.

Wie der Klappentext verrät, geschehen gleich mehrere Todesfälle und zwei erfolgen tatsächlich durch Sturz aus großer Höhe. Aber der Mörder bzw. die Mörderin (ich will ja nicht spoilern) ist vielseitig und hat auch noch Gift, Ertränken und Erwürgen im Angebot.

Da Agatha Christie uns wieder die Vielfalt menschlicher Boshaftigkeit vor Augen führt, besticht der Roman insbesondere durch die gut gezeichneten Charaktere. Es sind jedoch ziemlich viele, daher habe ich etwas gebraucht, um durch die Personen und Familienverhältnisse durchzusteigen.

Renisenb könnte man wohl am ehesten als Protagonistin bezeichnen. Sie ist nach dem Tod ihres Mannes mit ihrer Tochter auf das Anwesen ihres Vaters Imhotep, ein leicht zu beeinflussender Ka-Priester, zurückgekehrt. Seine mittler Weile dritte Frau Nofret ist noch nicht einmal so alt wie Renisenb. Sie hat für seine Kinder und deren Familien wenig übrig und scheint das Provozieren und Intrigieren zu lieben. Auch die daraus resultierende Feindseligkeit stört sie nicht im Mindesten. Renisenb hält sie jedoch einfach nur für Sterbensunglücklich, auch wenn sie sich nicht erklären kann, warum.

Ältester Sohn von Imhotep ist Yahmose; vorsichtig, zurückhaltend und seinem Vater treu ergeben. Außerdem steht er komplett unter der Fuchtel seiner Frau Satipy, die der Meinung ist, dass sie den Laden am besten schmeißen würde, wenn sie doch nur ein Mann wäre.

Der mittlere Sohn Sobek hingegen ist mehr als risikofreudig, aber auch sehr unzuverlässig. Seine Frau Kait fügt sich völlig in die Mutterrolle ein und bleibt eher unscheinbar.

Jüngster, aber selbstbewusstester Sohn ist Ipy, der am liebsten sofort alles übernehmen würde und es nicht ausstehen kann, dass ihn alle noch wie ein Kind behandeln. Er ist intelligent, gerissen und bösartig. Ein echter Satansbraten.

Renisenbs Großmutter Esa ist sehr schlau und durchschaut wohl als erste, was der Familie widerfährt. Gleiches gilt für Hori, den Verwalter. Neben ihm gibt es noch den Schreiber Kameni. Er kommt aus der gleichen Gegend wie Nofret, scheint aber gegen ihre Schönheit immun zu sein.

Der Haushalt wird – nach eigenen Aussagen – aufopferungsvoll von Henet geführt. Sie ist die Schwester von Imhoteps verstorbener Frau Ashayet und gibt sich in erster Linie unterwürfig und dumm. Dabei gibt es nichts, was ihr entgeht. Sie erfreut sich am Leid anderer und steht Nofret bei Intrigen in nichts nach.

Eine dieser Personen scheint nun ein*e Serienkiller*in zu sein oder ist es doch ein Fluch, den Imhotep mit seiner jungen Kebse (das Wort musste ich auch erstmal googlen, es heißt Nebenfrau) über die Familie brachte? Dieser Mix aus alten Göttern, Mystik und Bösem hat mir besonders gut gefallen. Durch den Totenkult sowie die ausgefallenen Namen und Begriffe kam die Atmosphäre des alten Ägyptens sehr gut rüber, auch wenn die Autorin Recht hatte, dass für die Geschichte weder die von ihr gewählte Zeit noch der Ort eine Rolle spielt. Die Sprache passt jedenfalls sehr gut zur vorchristlichen Zeit und auch die damaligen Lebensbedingungen, Familienstrukturen und Traditionen scheinen gut recherchiert.

Ich muss gestehen, ich hatte immer wieder einen neuen Verdacht, mein die*der ursprüngliche Verdächtige zum Opfer wurde. Dabei hätte man wirklich drauf kommen können.

Fazit

„Rächende Geister“ hat wohl das ungewöhnlichste Setting, das ich bei Agatha Christie je gelesen habe. Anfangs war ich skeptisch, einen vorchristlichen Krimi zu lesen, aber dann ich konnte ihn gar nicht mehr aus der Hand legen!

Bibliografie

Titel: Rächende Geister
Autorin: Agatha Christie
Übersetzung: Giovanni Bandini
Verlag & Copyright: Atlantik
Seitenzahl: 288
Erscheinungsdatum: 03. April 2023
Preis: 14 € (Taschenbuch)

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