Doktor Maxwells bedenklicher Zeitvertreib von Jodi Taylor

Ein weiteres Abenteuer für Madeleine Maxwell und ich war so gespannt darauf, wie sich ihre neue Mutterrolle mit der Arbeit im Zeitreiseinstitut St. Mary’s vereinbaren lässt. Aber huiuiui, da hat sich Jodi Taylor was ganz schön Fieses für uns einfallen lassen…

Klappentext

Doktor Madeleine »Max« Maxwell – zeitreisende Historikerin und außergewöhnliche Abenteurerin – ist endlich Mutter geworden. Doch kaum hält sie ihren Jungen in den Armen, wird es durch die Zeit entführt. Klar, dass Max, ihr Mann Leon und alle anderen Zeitreisenden von St. Mary’s nichts unversucht lassen, um das Baby zurückzubekommen. Doch das ist noch nicht alles, denn natürlich muss sich die Zeitpolizei wieder einmal einmischen und alles noch schlimmer machen. Vor allem aber muss Max lernen, was alle Eltern irgendwann akzeptieren müssen: Kinder werden so schnell groß!

Achtung Spoiler!

Die Chroniken von St. Mary‘s ist eine Serie, bei der ich wirklich davon abraten würde, die Bücher nicht in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen (s.u.). Die folgende Rezension enthält daher auch mögliche Spoiler zu den vorherigen Bänden. Außerdem gehe ich daher auch nicht näher auf die Grundgeschichte und deren Hauptcharaktere ein, da ihr die ja vermutlich schon kennt. Und wenn nicht, empfehle ich die Rezension zu Teil I.

Meine Meinung

Ich beginne mal mit einem Zitat, welches die Arbeit der Historiker*innen, aber insbesondere diesen Band sehr treffend beschreibt:

Und wieder einmal sahen wir den Menschen beim Sterben zu. Echten Menschen. Das ist es, was wir tun. Wir hüllen es in alle möglichen schicken Umschreibungen. Größere historische Ereignisse in zeitgenössischer Umgebung untersuchen, das mögen wir besonders. Aber im Grunde genommen beobachten wir, wie die Leute sterben. Wir versuchen es uns damit schönzureden, dass sie ohnehin gestorben wären. Dass unser Dabeisein praktisch keinen Unterschied machte – oder besser gesagt: machen sollte. Dass sie, von unserer Zeit aus gesehen, schon x-hundert Jahre tot sind. Dass es immer wichtig ist, eine genaue Aufzeichnung von dem zu haben, was wirklich geschehen ist. Ehe jene die die Geschichte schreiben, also fast immer die Sieger, den Ereignissen ihre ganz eigene Prägung verleihen.

Jodi Taylor: Doktor Maxwells bedenklicher Zeitvertreib, S. 291

Ihr solltet euch dieses Mal also auf wirklich blutige und brutale Beschreibungen vom Töten, Verstümmeln und Vergewaltigen gefasst machen, die sich leider auch nicht nur auf erwachsene Soldaten beschränken.

Die Zeitsprünge drehen sich – abgesehen von einem kurzen Abstecher in die Wüste 525 v. Chr., der alles ins Chaos stürzt (gut, wer hätte auch etwas anderes erwartet) – ausnahmslos um die Schlacht von Hastings und um den normannische Herzog Wilhelm sowie Harald Godwinson, die beide um die Thronfolge des kinderlosen Königs Eduard von England stritten. Anfangs fand ich den Plot etwas langweilig, weil ich davon noch nie etwas gehört habe (das will natürlich nichts heißen), aber nach und nach – vielleicht auch gerade, weil keine weiteren historischen Elemente hinzukamen – kam ich in die Geschichte rein (wortwörtlich, hihi).

Kurios war eigentlich nur, dass alle Missionen in diese Richtung ohne jegliche Probleme abliefen (und ja, Max war mit dabei). Aber es gibt ja auch schon genug Drama in Max persönlichen Umfeld. Ihr erinnert euch an den Widerling Ronan? Tja, also anfangs in der Wüste sah es ganz nach Waffenstillstand aus, doch dann kam leider die Zeitpolizei, machte alles kaputt und nicht nur Max musste einen hohen Preis zahlen. Es kommt mir so vor, als wollte die Autorin immer noch einen draufsetzen: dass Leon stirbt, hatten wir ja schon einmal, also nimmt sie Max jetzt einfach ihre ganze Familie. Glücklichsein wäre ja auch langweilig. Und trotzdem hätte es mir um Längen besser gefallen. Ich meine, es ist doch so: hier und da mal eine Gefahrensituation ist ja gut und schön, aber den „24“ Style kann ich echt nicht gut aushalten. Und so fange ich an, Seiten quer zu lesen, was es mir wiederum unmöglich macht, die Geschichte zu genießen.

Hinzu kommt, dass durch diese Plotwahl Max Charakter wenig lebensecht rüberkommt, denn nach dem ganzen Psychoterror, dem sie von der Autorin ausgesetzt wird, müsste sie eigentlich voll durchdrehen. Und die Entwicklung, die ihre freundschaftliche Beziehung zu Peterson nimmt, war mir auch zu viel.

Fazit

Trotz anfänglicher Skepsis überwiegt zum ersten Mal meine Sympathie deutlich für den historischen Teil der Handlung. Zum einen hat mir die komplexe Mission, die aus mehreren Zeitsprüngen besteht, wirklich gut gefallen und zum anderen war mir die persönliche Entwicklung der Charaktere des St. Mary’s einfach over the top.  

Die Chroniken von St. Marys

1. Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv

2. Doktor Maxwells chaotischer Zeitkompass

3. Doktor Maxwells skurriles Zeitexperiment

4. Doktor Maxwells wunderliches Zeitversteck

5. Doktor Maxwells spektakuläre Zeitrettung

6. Doktor Maxwells paradoxer Zeitunfall

7. Doktor Maxwells waghalsiger Zeitbetrug

8. Doktor Maxwells bedenklicher Zeitvertreib

E-Book Short-Storys:

Doktor Maxwells weihnachtliche Zeitpanne

Doktor Maxwells römischer Zeiturlaub

Doktor Maxwells winterliches Zeitgeschenk

Kostenloses Rezensionsexemplar

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Meinung.

Bibliografie

Titel: Doktor Maxwells bedenklicher Zeitvertreib
Autorin: Jodi Taylor
Übersetzung: Marianne Schmidt
Verlag & Copyright: Blanvalet
Seitenzahl: 560
Erscheinungsdatum: 17. Mai 2023
Preis: 12 € (Klappenbroschur)

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